Bauernregeln

Volkssprüche über das Wetter

Bauernregel Donnerstag 3. Januar 2008

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Joseph von Eichendorff

Winternacht

Verschneit liegt rings die ganze Welt,
ich hab’ nichts, was mich freuet,
verlassen steht der Baum im Feld,
hat längst sein Laub verstreuet.

Der Wind nur geht bei stiller Nacht
und rüttelt an dem Baume,
da rührt er seinen Wipfel sacht
und redet wie im Traume.

Er träumt von künft’ger Frühlingszeit,
von Grün und Quellenrauschen,
wo er im neuen Blütenkleid
zu Gottes Lob wird rauschen.

Name Wert
author Projekt Gutenberg-DE
type poem
title Winternacht
author Joseph von Eichendorff
publisher Georg Westermann
sender hille@abc.de
pfad /eichndrf/gedichte/collection.xml

© Projekt Gutenberg

 

 

 

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Willibald Alexis

Cabanis

12. Der Bruder

Die Flammen der niedergerissenen Scheunen leuchteten noch in die Schreckensnacht, als man die Kürassiere nach einer kurzen Ruhepause schon wieder ihre Pferde tränken sah.

Wenn die Bewohner von Dorf und Schloß ihre Besorgnis äußerten, daß man die Eingefangenen zurücklasse, ohne sie abgeurteilt zu haben, gab wohl ein Wachtmeister zur Antwort, daß Galgen allerwärts zu finden seien, Ruten an jedem Wege wüchsen und die Kugel, wem sie bestimmt sei, in Sachsenland wie in Preußenland treffe. Im übrigen – dabei strich er sich den Bart und stürzte die letzte Neige über die Lippen – seien die Kürassiere zu Dienst Seiner Majestät des Königs von Preußen und nicht hier im Land, um vor der Tür des Bauern Schildwache zu stehen, wozu, wenn’s einstweilen hier im Land an Polizei und Justiz fehle, eine Eskadron mit maroden Pferden zurückbleibe.

»Trösten Sie sich, Leutnant«, sagte der Obrist zu Stephan, »daß sie die schlechteste Zeit dieses Krieges auf der Bärenhaut liegen mußten. Die Ehre war verdammt knapp und der Tod spottwohlfeil bei Kunersdorf. Es muß jetzt auf etwas Außergewöhnliches losgehen, sonst nimmt das Ding ein schiefes Ende, was der Himmel verhüte! Wir sind vielleicht bestimmt, eine große Sache, die entscheidet, auszufechten, und alles Versäumte läßt sich nachholen. Dieser Krieg zehrt wie ein strenger Winter im Nachtfrost; der Nachwuchs wird schon angegriffen, und wenn sich irgendwo ein tüchtiger Stamm unter der Schonung erhalten hat, kommt er nie zu spät ans Beil. – Die Russen machen aufs neue Miene auf Berlin, der kranke Fritz ruft. Wir wollen dahin wie der Blitz und ihnen zeigen, ob unsere Leiber eine gute Schanze sind für unseres Königs Residenz.«

Stephan war auf den Vorschlag des Obristen eingegangen, daß er ohne Abschied in der Stille mit ihm aufbrechen solle, und der Obrist drückte ihm beim Auseinandergehen mit den Worten die Hand: »Sie werden nicht der Letzte auf dem Sammelplätze sein, wo der bedrängte Friedrich ruft . . .« Er ahnte aber nicht, daß ihm noch ein anderer Abschied bevorstand, als der Bursche mit dem letzten Gepäck die Schwelle schon verlassen hatte und er, die Bärenmütze aufstülpend, den erblaßten Tapetengesichtern im matten Flammenschein ein Lebewohl zunickte.

»Herr Leutnant«, sprach der Jäger des Grafen – ein ernster, umsichtiger Mann, der das Hausregiment im kleinen führte und des Offiziers Vertrauen genoß –, »es tut mir leid, daß ich Sie noch inkommodieren muß; jedoch hielt ich’s für meine Schuldigkeit, ihnen zu melden …«

»Vom Marquis …«

»Nein«, antwortete der Jäger mit einem leisen Spott um den Mund, »von dem Herrn Marquis werden wir wohl nicht früher zu hören bekommen, als bis die Herren Preußen drei Tagereisen fort sind. – Ich führe die Schlüssel zu den Kellern und bin so gewissermaßen der Wächter von der Bande. Der eine von den Rädelsführern besteht darauf, Sie, gnädiger Herr, zu sprechen, er hätte Ihnen viel zu eröffnen.«

»Mir?«

»Ich würde mich nicht unterstanden haben, wenn er nicht so dringend gebeten hätte – er ist verwundet, der Blutverlust hat ihn wohl weich gemacht, und es kam mir beinahe vor, als redete er im Fieber, wie er mich bat, diese alte Perlenbörse Euer Gnaden zu übergeben. Sie würden, wenn Sie auch erst nicht wollten, dann doch vielleicht wollen.«

Der Jäger erschrak fast über die Heftigkeit, mit welcher Stephan nach der Börse griff und sie zitternd betrachtete. Bald darauf mußte er den Offizier über den Hinterflur und die Wendeltreppe nach den Kellern führen.

Es war ein niedriges, enges Gewölbe, dessen Tür vor fünf Minuten sich geöffnet und geschlossen hatte. So niedrig, daß der preußische Husar, der hereingetreten war, auch ohne die hohe Federmütze an die Decke gestoßen hätte. Er saß auf einem Schemel, den Kopf in die Hand gestützt, als summe ihm noch immer der Schall der verrosteten Angeln im Ohr. Eine Laterne stand zu seinen Füßen, und neben dem Schemel lag auf Stroh ein Gefangener. Seine Wunde oder die Mattigkeit hatten ihn überwältigt, er schlief. Oft schon hatte der Offizier ihm ins Gesicht geleuchtet und die Laterne wieder hingestellt. Er schien zu warten, daß der Gefangene von selbst aufwache, er hatte auch seinen Arm gefaßt, ihn zu wecken, aber sacht wieder losgelassen, als wünsche er und scheue doch den Augenblick. Man hätte eine Träne in dem Auge entdecken können, er wischte sie eilig weg. Man hätte sein Herz können schlagen hören, aber er schüttelte mit dem Kopf, es vor sich selbst zu verbergen, und das Winseln eines Hundes draußen, der an dem Gitterloch scharrte, tönte stärker durch die Stille der Nacht als die Herzschläge.

Der Hund hatte den Unglücklichen geweckt, nicht der Offizier, der, den weißen Mantel um das Gesicht geschlungen, wie ein Bild aus Stein dasaß. »Bist du da?« sagte der Gefangene und schnalzte mit den Fingern. Er meinte das Tier und raffte sich halb erschreckt – wenn der Schreck zu einem solchen Wesen paßte – auf. Er strich das Haar aus dem noch halbgeschwärzten Gesicht und schlug die Augen auf nach dem Besuch. Stephan ließ den Mantel sinken, ihre Augen trafen sich. Der Lichtschein zitterte zwischen den Gesichtern, zwischen dem bleichen, jugendlich schönen des Offiziers, nur von einer Wolke der Schwermut schattiert, und dem gedrungenen, festen des Missetäters, umstarrt vom struppigen Bart, von Furchen zerrissen, wo Roheit und Stumpfsinn längst ihren Stempel aufgedrückt hatten und nur im großen Auge noch der Strahl eines besseren Einst zu suchen war.

Die inhaltsschwere Stille unterbrach der Offizier durch die Frage: »Was willst du?« – Das »von mir« erstarb auf den Lippen.

»Ich wollte den gnädigen Herrn Offizier nur bitten um den Hund – er gehört mir –, ich hab’ ihn mir auferzogen von klein auf – wahrhaftig, von klein auf –, der Schuft von Jäger will ihn wohl für sich behalten!«

»Es wird jedem hier sein Recht.«

»Dann können Sie ihn doch zu mir lassen. Der Hund hat die Scheunen nicht angesteckt.«

»Unglücklicher, willst du sonst nichts, nichts mehr von – mir, als den Hund?«

Er schwieg.

»Weißt du, wer ich bin?«

Er schlug noch einmal die Augen in die Höhe, um sie dann auf dem Stroh unter seinen Knien wurzeln zu lassen.

»Du weißt es?« wiederholte Stephan bebend.

»Ich wußt’ es wohl, daß Sie kommen würden, was auch der Jäger sagte. Der Jäger ist ein schlechter Kerl.«

»Gottlieb!« entfuhr es den Lippen des Offiziers, weicher, als er wollte. Der Gefesselte fuhr zusammen. Die Fieberglut fing an, ihn zu schütteln. Es blitzte in den großen Augen, das Blut pulsierte durch die Wangen. Die Lippen bewegten sich, die Brust hob sich, aber er schwieg.

Die Tränen stürzten dem glücklicheren Bruder aus den Augen, er war nicht mehr Manns genug, um es bei diesem Abschied bleiben zu lassen. »Gottlieb!« wiederholte er, weich wie vorhin. »Daß ich dich so wiederfinden muß!«

Die Ketten rasselten, und der Gefangene hielt den ihm hingehaltenen Arm. Glich seine Heftigkeit, wie er zufaßte, der Freude des treuen Haustieres, so war das doch nur der erste Moment. Der Mensch Gewordene wollte den Wiedergefundenen nicht zerreißen, sanftere Gefühle durchbebten ihn, die Erregung oder das Fieber in ihm zitterte, sein Auge blickte freundlich, es lösten sich erstarrte, verschlossene, begrabene Gefühle. Der sprach, war nicht der, der er zehn Jahre lang gewesen war, es war ein anderes Ich, das er selbst vergessen hatte, das unwillkürlich, gegen seinen Willen, lebendig wurde. Es war kaum seine Sprache, als er sagte: »Ich hatte es mir wohl gedacht.«

»Daß ich dich wiedererkennen würde, Gottlieb?«

»Sie haben mich Ruten laufen lassen, mir den Kragen abgetrennt, mich ausgestoßen, mit Füßen getreten, und ein so vornehmer Herr erkennt mich doch wieder! Gott lohne es Ihnen!«

»Gottlieb, wir waren… wir nannten uns…«

»Ach, und Sie sind jetzt ein vornehmer Offizier, und ich bin nicht mal Gefreiter geworden.«

»Wir sind Brüder«, sprach Stephan und drückte den Kopf des Gefangenen mit beiden Händen.

Wo bei starken Naturen ein lange unterdrücktes Gefühl endlich ausbricht, ist es kein sanft rinnender Bach, es ist ein Strom, der die Ufer mit sich fortreißt, ein Vesuv, der Langverhaltenes, trübe, dunkle, zähe, gärende Stoffe auswirft. So brach es aus, Freude, Schmerz, Selbstanklage, Flüche. Was sie da gesprochen, was sie sich gefragt, wußte keiner nachher. Wer entsinnt sich in der Nüchternheit aller Worte im Rausche? Wilde Ausdrücke, Verwünschungen wechselten mit einer Weichheit der Sprache, die niemand dem rohen Soldaten zugetraut hätte. Es war nicht Gottlieb, es war ein wunder, fieberhaft schwacher Mensch.

»Ich habe es mir immer gesagt und gedacht: er vergißt mich nicht«, fuhr er fort, nachdem die ersten wilden Ausbrüche vorüber waren, »ich habe ihn ja auch nicht vergessen. Der kleine Fritz war mein einziger Freund im Hause – er hatte einmal geweint für mich und für mich gebeten. – Mir ist nie mehr von zu Hause etwas Liebes geschehen, und ich mochte nie mehr zurück.«

Stephan wollte ihm ins Wort fallen.

»O, mein lieber Herr Pittmeister oder was Sie sind, lassen Sie mich ausreden. Das wußt’ ich dazumal schon, daß ich nur ein gemeiner Mensch würde, und Sie würden einmal ein vornehmer Herr werden. Ach, ich weiß noch recht gut, wenn Sie’s auch vergessen haben – ich war ja viel älter als Sie –, wie ich Sie bat, daß Sie mir dann nicht den Rücken kehren möchten und sich des armen Gottlieb erinnern. Ich bin nun ein schlechter Kerl, und Sie sind ein vornehmer Offizier, und nun sind Sie doch bei mir, und Sie schämen sich nicht, was Ihre Herren Kameraden dazu sagen werden.«

»Unseliger, ich kann dir dein Leben nicht wiedergeben.«

»Hatte oft gedacht, wenn ich auf Vorposten stand, du wirst ihn einmal zu Gesicht bekommen. Wenn sie einen österreichischen einbrachten, lief ich hinzu und hoffte immer – Sie müssen mir das nicht bös anrechnen, lieber Herr, ein armer Soldat, der… ich meine, das ist schon anders mit ihm als mit vornehmen Herrschaften und Offizieren, denen täglich was Gutes in den Mund gelaufen kommt, die vergessen das bald, was bei unsereinem lang anhält.«

»Ach, Gottlieb, wenn ich dich retten könnte!«

»Ich weiß schon alles, und Sie müssen Ihre Pflicht tun, das weiß ich auch. Ich war aber kein schlechter Soldat, das muß ein Hundsfott sein, der mir das nachsagt! Ich hab mich brav gehalten, Herr Rittmeister; aber vertragen konnte ich nur nichts, und dann kam das andere. Das war mein Unglück.«

»Wie kamst du – unter die Kerle?«

»Sie wollten mich ja nicht mehr haben. Ich konnte nicht federfuchsen und ein hübsch Gesicht machen, wenn der Rücken mir weh tat. Warum sollte der tückische Bauer besser leben als ich? Unteroffizier sollte ich auch werden, zehnmal hatten sie’s mir versprochen. Die Sächsischen sind meines Königs Feinde. Keinem Preußen hab ich’s doch nicht angetan. Das sind ja unsere Feinde. – Und beim Feuerschein, da sah ich ja… Pardon! Da sah ich ja meinen Bruder Fritz. Im Dunkeln, Herr Gott, da hätte ich ihn totschlagen können.«

Und auch Stephan wurde jetzt erst klar, was ihm die Flammen nicht gezeigt: sein Bruder wäre ja beinahe von seiner Hand gefallen. Er bückte sich, er drückte das Haupt des Gefesselten an seinen Schoß, als wolle er sich versichern, daß jener wirklich lebte, daß er kein Brudermörder war. »Der Himmel vergebe denen«, sprach er vor sich hin, »die dich dazu zwangen.«

»Und nun, lieber Herr«, hub der Gefangene nach einer Pause an, »wollen Sie’s denn nun tun? Es kommt eigentlich wohl ‘nem Arrestanten nicht zu; aber da Sie so gütig sind, so tun Sie’s doch wohl?«

»Was bittest du?«

»Um den Hund. Wenn der sprechen könnte, er sagt’ es Ihnen, daß ich ihn nicht gestohlen habe, sondern wir waren immer miteinander.«

Man hörte die Stimmen einiger Soldaten. Sie sangen Strophen aus einem traurigen Liede, eine barocke Auffassung von Schwerins Tod, aber von unbeschreiblicher Wirkung, wenn ganze Kompanien es auf ihrem Marsche anstimmten, einzelne Vorsänger die Inhaltsverse vortrugen und dann der volle Chorus in den Refrain »Schwerin ist tot!« einstimmte.

Gottlieb richtete den Kopf auf, seine Augen leuchteten: »Schwerin war mein General!«

»Warst du bei Prag?«

»Ich war hinter ihm, als er fiel. – Das war ein schöner Tag.« Und nun erwachte noch einmal das Feuer, der Stumpfsinn wich einer feurigen Erinnerung, Stephan hörte entzückt nicht auf seine Worte, die den Sieg schilderten, nur auf den Ton seiner Stimme. Es lebte doch etwas in dem Bruder.

»Du bist noch ein Preuße?«

»Bis an mein Ende.«

»Du liebst den König?«

»Mit Leib und Seele.«

»Es geht ihm schlimm. Er liegt krank. Die Feinde rücken auf Berlin. Wer Arme hat, muß sie rühren. Gottlieb, wenn du frei wärst, würdest du alles einsetzen?«

»Leib und Seele für den Alten Fritz!« rief er, mit den Ketten rasselnd.

In dem Augenblick schmetterten draußen die Trompeten der Kürassiere, sie riefen durch das Dorf. Friedrich rief. Der Gefangene sprang auf. Sein halbes Leben hätte Stephan darum gegeben, wenn er des Bruders Ketten damit losgekauft. »Mutig, Gottlieb«, sprach er, ihn zum letzenmal an die Brust drückend, »wir sehen uns nicht zum letztenmal. Mutig, dein König lebt, und du bist ein Preuße.«

Der Offizier hielt die Geldbörse in der Hand, als er die Kellertür zudrückte, doch statt des gräflichen Jägers schulterten zu seinem Schreck zwei Kürassiere vor der Treppe. Die Börse blieb in seiner Hand. »Es ist nun nur ein Weg!«

War es Zufall, war es mehr, daß ihm Eugenie im Saal begegnete? O, wieviel milder war ihr Blick, wie anders reichte sie ihm die Hand, auf die Reihen der Kürassiere draußen zeigend. Sie kam, um Abschied von ihm zu nehmen.

»Glaubt Komteß Eugenie eine Schuld an mich zu haben?« sprach der Offizier, ihre Hand fassend. »O Eugenie, Sie könnten mir jetzt ein Leben bezahlen durch ein Versprechen.«

»Gern, mein Leben selbst«, antwortete sie, »ein Versprechen ist ein totes Wort.«

»Ein teures Erbteil laß ich Ihnen, ein Leben muß gerettet werden. Der Unselige in Ketten ist ein Verworfener, aber noch nicht ein Verlorener, er soll mehr für Sie sein, als wär’ ich es selbst, er ist – mein unglücklicher Bruder. Er scheidet uns auf immer, aber er knüpfe auch einen heiligen Bund zwischen uns. Was ich nicht mehr kann, versprechen Sie es mir. Retten Sie ihn – mir – sich selbst – seinem Könige –, es ist das teuerste Vermächtnis, Eugenie…«

»Und soll mir heilig sein«, rief sie an seiner Brust. Es wurde kein Wort mehr gewechselt, kein Laut kam von ihren Lippen, kein Lauscherauge störte den stummen, schmerzlich süßen Abschied. Erst als die Trompeten in lang ausholenden, fast zürnenden Tönen, wie schneidende Instrumente, die Arme, die Lippen, die Herzen voneinander gerissen und der Krieger schon auf seinem Pferde saß, trat Amalie still herein und ließ die Freundin an ihrer Brust das glühende Gesicht verbergen, und beide horchten stumm, bis die Hufschläge nicht mehr dumpf herübertönten und die letzten Trompetenstöße in der Heide verhallten.

Quellenangabe

Name Wert
type fiction
author Willibald Alexis
title Cabanis
firstpub 1832
address Frankfurt
sender www.gaga.net
created 20050816
projectid bcf691ea
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© Projekt Gutenberg
‘Werden die Tage länger, wird der Winter strenger.’ – Diese Bauernregel beschreibt einen Effekt, der tatsächlich stutzig machen kann: Nicht um Weihnachten, den kürzesten Tagen des Jahres, werden die tiefsten Tagesmittel-Temperaturen gemessen, sondern erst Mitte Januar. Mit den Kaltlufteinbrüchen im Januar werden dann manchmal Werte um -25 Grad in Deutschland erreicht, obwohl die Tage wieder länger werden.
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Skandalöse PRISMA-Sendung -

Klima-Horroristen keine Ahnung von der Realität

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von Otto Wildgruber

Die Klima-Horroristen haben in dieser Sendung wieder einmal bewiesen, daß sie keine Ahnung von der Realität haben. Sollten sie doch, so bliebe nur der Schluß, daß ihre Charakterlosigkeit wohl grenzenlos ist. Als das Jahr 2000 von den Klima-Horroristen als das „heißeste“ Jahr des Jahrhunderts deklariert wurde, gab es aus dieser Ecke auch gleich die begleitenden (pseudo)wissenschaftlichen Studien, die für Süddeutschland und Brandenburg eine Versteppung voraussagten. Das ist jetzt vergessen. Angesichts des Gegenteils – sintflutartigen Regenfällen – vergessen diese Klima-Horroristen ganz schnell ihre Aussagen von gestern und behaupten flugs das Gegenteil. Wie unseriös diese „Herren“ sind, belegt ein kleiner Blick in die Historie, in diesem Fall in die des Dorfes Dormitz, in dem ich lebe. Viel Spaß bei der Lektüre. Vielleicht fällt auch bei dem einen oder anderen Ideologen danach der Groschen, obwohl ich dies aus meiner Erfahrung für eher unwahrscheinlich halte.

Hier der Auszug. Ich bitte um weiteste Verteilung, damit diesen angstverbreitenden Gutmenschen (fast wäre ich auf die Idee verfallen, sie als Huren der Politik zu bezeichnen, aber das wäre wohl zu überzogen) endlich Einhalt geboten wird.

Auszug aus „Chronik des Dorfes Dormitz“, von Willi Held, herausgegeben von der Gemeinde Dormitz im Jahre 1967, in einer Auflage von 120 Exemplaren:

Witterung

Bei längerer ungünstiger Witterung, Dürre, Nässe, Überschwemmungen, Hagelschlag und Sturm hörte man früher oft die Äußerungen, so arg war es früher doch nicht gewesen, oder so heiße Sommer und kalte Winter wie früher gibt es heute nicht mehr; zuweilen hört man auch, daß der viele Regen der Jetztzeit von den Atombomben herkomme und andere Versionen. Daß aber nicht die heutige Technik an den unterschiedlichen Witterungen schuld ist, und daß früher in der „guten alten Zeit“ Sonnenschein Regen, Wärme und Kälte nicht immer in schönster Harmonie herrschten, darüber sollen nachfolgende Berichte Einblick gewähren.

1361: war der Winter außerordentlich kalt. Tausende von Menschen gingen

infolge der bitteren Kälte zugrunde.

1438: überfielen ungeheure Heuschreckenschwärme unser deutsches Vaterland und fraßen alles Grüne vollständig kahl.

1441: war wiederum ein strenger Winter. Schon im Oktober setzte starker Schneefall ein, sodaß der Verkehr auf den Straßen eingestellt werden mußte.

1491: stellte sich wiederum ein sehr strenger Winter ein, der eine große Teuerung mit sich brachte.

1512-1513: gab es eine große Kälte, besonders in der Zeit zwischen dem 6. und 26. Januar.

1531: (Tag nicht bekannt) 6. Dienstag nach Ostern erhob sich nachmittags, 2 Uhr, ein fürchterliches Gewitter mit Hagelschlag und Regengüssen, welches im nahen Neunkirchen und auch in Dormitz großen Schaden anrichtete.

1533-1534: war es von Weihnachten bis Lichtmeß so kalt, daß die Vögel erfroren aus der Luft fielen, aber auch zahlreiche Menschen starben den Erfrierungstod.

1564-1565: wurden durch überaus starken Schneefall viele Dörfer, ja Städte, vom Verkehr abgeschnitten.

1581: ereignete sich abermals eine große Wasserflut, welche alle Brücken über den Brandbach zerstörte. In Neunkirchen stürzten mehrere Häuser ein.

1595, 1605: waren ebenfalls sehr strenge Winter, 1627 gab es im Mai noch viel Eis und Schnee.

1618: am 16. Juli entstand ein fürchterliches Donnerwetter, welches sich in der Gegend von Hetzles in einem so gewaltigen Regen auflöste, daß das Wasser davon über die Mauern des Marktes hineinlief und dieselben bei 200 Schuhe lang mit sich fortriß. Die Flut war so heftig und reißend, daß ganze Quadersteine in die Mitte des Marktes geflößt, 6 Gebäude hinweggerissen wurden. 6 Personen verloren dabei ihr Leben. Dieses Unwetter richtete auch in der Ortsflur Dormitz großen Schaden an.

1624 u. 1627: waren ebenfalls sehr strenge Winter, 1627 gab es im Mai noch viel Eis und Schnee.

1644: lag der Schnee im Mai noch 40 cm hoch. Im gleichen Jahr forderte die Pest und die Kälte viele Opfer an Menschen.

1692: führte die Schwabach mehrmals große Hochwasser, wobei die ‘Wasserwehren der Schwabachmühlen, und so auch die der zur Gemeinde Dormitz gehörenden Mühlen, Gabermühle, Langenbruck und Habernhof, weggerissen wurden.

1709 u. 1740: waren wiederum sehr strenge Winter.

1747: gefährdete ein Dauerregen die Ernte, sodaß die Pfarrer jeweils in der Messe das Gebet sprachen: „Deus refugium nostrum.“

1748, der große Hagelschlag: Am Jakobitag 1748 fiel ein großer Hagelschlag über unsere Gegend. Hagelkörner in Größe von Hühner- und Gänseeiern, über 1 Pfund schwer, fielen in Massen. Die Fluren waren zusammengeschlagen. Das Obst war vollständig vernichtet, dazu auch die Blumen. Die wenigen Ziegeldächer, die es zu dieser Zeit gab, waren alle zerschlagen.

1759-1760: Vom Neujahrstag an gefror es nicht mehr. Im Februar wuchs das Gras und am 12. März blühten die Obstbäume. „Es war ein Paradies“ hieß es. Die Bauern konnten schon Ende Februar für ihr Vieh Futter mähen.

1759 und 1763: waren die Winter sehr hart.

1765: mißrieten Grummet und Herbstfrüchte und der Hopfen derart, daß letzterer einen Preis von über 100 Gulden kostete. Im Jahr darauf kostete der Hopfen sogar bis zu 150 Gulden, was dem Geldwert von heute rund 1500 EURO entsprechen würde.

1766: war eine große Kälte, Menschen und Tiere erfroren. Die Ernte war schlecht gewesen. Der Hopfen kostete damals 150 Gulden der Zentner, für diesen Betrag konnte man fast ein kleines Anwesen kaufen. Im Herbst trat starker Wassermangel ein, sodaß das Vieh zum Tränken zur nahen Schwabach getrieben werden mußte. Das Getreide mußten die Bauern im nahen Nürnberg, Erlangen oder Forchheim mahlen lassen, weil die Schwabachmühlen kein Wasser zum Antrieb der Mühlräder hatten.

1770-1771: herrschte eine regelrechte Hungersnot, sodaß die Leute von den Städten Nürnberg und Fürth aufs Land zogen, um Lebensmittel zu bekommen.

1778: am Pfingstmontag, dem 8. Juli, durchtobte ein Sturm die ganze Gegend bis Bayreuth hin und richtete besonders in dem Raum Erlangen – Gräfenberg furchtbaren Schaden an. Ein in Gräfenberg niedergegangener Wolkenbruch riß Häuser, Scheunen, Ställe und Mühlen weg und begrub Menschen und Tiere in seinen Fluten. Es fielen Hagelkörner in der Größe von Hühnereiern in solchen Mengen, daß man, wie eine Beschreibung aus dieser Zeit berichtet, zwei Tage lang noch fast einen Schuh tief (= rund 30 cm) zusammengeschichtet fand. Welchen Schaden dieses Unwetter im Schwabachgrund anrichtete, läßt die Tatsache erkennen, daß man in Kalchreuth über hundert Jahre lang am Pfingstmontag keine Tanzmusik mehr hielt, zum stillen Gedenken an diesen Tag.

1806: vernichtete ein Spätfrost noch im Juni den größten Teil der Ernte.

1811: war ein sehr heißer Sommer, ähnlich waren die Jahre 1833 und 1839.

1816: Mit traurigem Andenken ging das Hungerjahr 1816 in die Geschichte ein. Infolge anhaltenden Regenwetters gab es eine völlige Mißernte. Das Getreide verfaulte auf dem Halm. Es gab eine große Not und Teuerung im Lande. Alles Brot- und Saatgetreide mußte eingeführt werden.

1847: fiel der Schnee in der 2. Aprilwoche 60 cm hoch.

1879: war wiederum ein sehr strenger Winter, wobei ganze Obstgärten erfroren.

1893: war ein sehr heißer Sommer. Es fiel im ganzen Frühjahr und Sommer kein Regen. Es gab eine förmliche Mißernte an Heu und Getreide. Das Heu konnten die Bauern mit dem Schubkarren heimfahren. Erst am Bartholomäustag fiel ein eine gute Grummeternte gab. Zu allem Glück gab es auch noch eine gute Ernte warmer kräftiger Sprühregen und entfachte die Vegetation, sodaß es doch noch für die Herbstgewächse.

1909: gab es große Unwetter, und die Schwabach trat über ihre Ufer hinaus und verwüstete die anliegenden Felder. Im nahen Nürnberg gab es ein großes Hochwasser.

1911: war ein sehr heißer, trockener Sommer. Es regnete den ganzen Sommer nicht. Viele Obstbäume trockneten ein.

1912: war ein sehr nasses Jahr; die Bauern konnten ihr Getreide, welches aus dem Halm wuchs, erst Ende August heimbringen.

1916-1917: war der Winter sehr streng. Es war Krieg, und es gab nur wenig zu essen. Kohlrüben und Kraut waren die Hauptnahrung. Das Brot wurde zum großen Teil mit Kartoffelzusatz gebacken. Selbst die Bauern mußten mit dem lieben Brot sehr sparsam umgehen.

1923-1924: war ein überaus sehr strenger `Winter. Der Schnee lag vom Oktober bis zum Mai auf den Fluren. Dazu war eine große Teuerung und Geldknappheit im Lande. Die vorausgegangene Inflation hatte alle Ersparnisse zunichte gemacht.

1929-1930: erfroren infolge großer Kälte ganze Obstgärten, besonders unter den Kirschen- und Zwetschgenbäumen entstand ein großer Schaden.

1947: Wer erinnert sich nicht des großen Dürre- und Hungerjahres 1947? Das denkwürdige Hungerjahr 1947: Schon der strenge Winter mit seiner kaum nennenswerten Schneedecke und tiefgreifenden Bodenfrösten mußte von vielen als ein schlechtes Omen für den kommenden Sommer empfunden werden. Dieser setzte denn auch schon Mitte April, fast ohne frühlingsmäßigen Übergang, mit großer Hitze und anhaltender Trockenheit ein. Monatelang kein erquickender Regen, der die lechzende Erde befruchten wollte. So gestaltete sich schon die Heuernte zu einer Noternte und noch ungünstiger wirkten sich die hohen Hitzegrade für die Getreideernte aus. Die Grummeternte kam infolge der ausgebrannten Wiesen fast ganz zum Ausfall. Entsprechend schlecht gestaltete sich auch die Kartoffelernte und die der anderen Hackfrüchte. Nur die Obsternte fiel zum Glück gut aus. Das Hungerjahr 1947. Die Not steigerte sich von Monat zu Monat. Die Bauern sahen sich schon zu Beginn des Herbstes vor leeren Scheunen, Kellern und Böden. Infolge großen Futtermangels mußten die Bauern zu großen Notverkäufen von Vieh schreiten. Also standen wir schon zu Beginn des Herbstes inmitten eines harten Not- und Hungerjahres, was um so schwerer empfunden wurde als wir schon seit Kriegsbeginn (1939) unter einer empfindlichen Lebensmittelknappheit zu leiden hatten. Die Furcht vor dem schweren Hungerwinter war allgemein groß. Sie war noch erhöht durch die allgemeine Unsicherheit, die herrschte, da fremde und auch einheimische „Leichenfledderer“ ihr unrühmliches Wesen trieben. Dazu kam noch der große Mangel an Gebrauchsgegenständen aller Art und große Absenkung der Kaufkraft unseres Geldes und die Furcht vor der zu erwartenden Geldentwertung. Wahrlich, es war eine böse Zeit.

1965-1966: Diese beiden Jahre waren sehr regnerisch, gleichwohl gab es aber gute Ernten.


Donnerstag, 3 Januar 2008 - Verfasst von francisbacon | 2008-01-03 | , , , , , , | Noch keine Kommentare

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