Bauernregeln

Volkssprüche über das Wetter

Bauernregel Freitag 4. Januar 2008

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Johann Wolfgang von Goethe

Der fünfte Mai

Bei Betrachtung von Schillers Schädel

Im ernsten Beinhaus wars, wo ich beschaute,
Wie Schädel Schädeln angeordnet paßten;
Die alte Zeit gedacht ich, die ergraute.
Sie stehn in Reih geklemmt, die sonst sich haßten,
Und derbe Knochen, die sich tödlich schlugen,
Sie liegen kreuzweis, zahm allhier zu rasten.
Entrenkte Schulterblätter! was sie trugen,
Fragt niemand mehr, und zierlich tätge Glieder,
Die Hand, der Fuß, zerstreut aus Lebensfugen.
Ihr Müden also lagt vergebens nieder,
Nicht Ruh im Grabe ließ man euch, vertrieben
Seid ihr herauf zum lichten Tage wieder,
Und niemand kann die dürre Schale lieben,
Welch herrlich edlen Kern sie auch bewahrte,
Doch mir Adepten war die Schrift geschrieben,
Die heilgen Sinn nicht jedem offenbarte,
Als ich inmitten solcher starren Menge
Unschätzbar herrlich ein Gebild gewahrte,
Daß in des Raumes Moderkält und Enge
Ich frei und wärmefühlend mich erquickte,
Als ob ein Lebensquell dem Tod entspränge,
Wie mich geheimnisvoll die Form entzückte!
Die gottgedachte Spur, die sich erhalten!
Ein Blick, der mich an jenes Meer entrückte,
Das flutend strömt gesteigerte Gestalten.
Geheim Gefäß! Orakelsprüche spendend,
Wie bin ich wert, dich in der Hand zu halten?
Dich höchsten Schatz aus Moder fromm entwendend
Und in die freie Luft, zu freiem Sinnen,
Zum Sonnenlicht andächtig hin mich wendend.
Was kann der Mensch im Leben mehr gewinnen,
Als daß sich Gott-Natur ihm offenbare?
Wie sie das Feste läßt zu Geist verrinnen,
Wie sie das Geisterzeugte fest bewahre.

Quellenangabe

Name Wert
author Projekt Gutenberg-DE
type poem
booktitle Gesammelte Werke in sieben Bänden
author Johann Wolfgang Goethe
year o.J.
publisher Bertelsmann Lesering
address Gütersloh
title Bei Betrachtung von Schillers Schädel
created 19990208
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Jean Paul

Dr. Katzenbergers Badereise

19. Summula

Mondbelustigungen.

Auf der kurzen Fahrt nach Fugnitz wurde sehr geschwiegen. Der Edelmann sah den nahen Lunas-Abend mitten im Sonnenlichte schimmern; und der Mondschein mattete sich, aus dieser Seelen-Ferne geschauet, zu einem zweiten zärtern ab. Theoda sah die niedergehende Sonne an, und ihr Vater den Hasen. Die stille Gesellschaft hatte den Schein einer verstimmten; gleichwohl blühte hinter allen äußern Knochen-Gittern ein voller hängender Garten. Woher kommts, daß der Mensch – sogar der selber, der in solchem Dunkel überwölbter Herzens-Paradiese schwelgt und schweigt – gleichwohl so schwer Verstummen für Entzücken hält, als fehle nur dem Schmerz die Zunge, als tue bloß die Nonne das Gelübde des Schweigens, nicht auch die Braut, und als geb’ es nicht ebenso gut stumme Engel wie stumme Teufel?

Im Nachtquartiere traf sichs für den Edelmann sehr glücklich, daß in die Fenster der nahe Gottesacker mit getünchten und vergoldeten Gabmälern glänzte, von Obstbäumen mit Zauberschatten und vom Mond mit Zauberlichtern geschmückt. Es wurd’ ihm bisher neben Theoda immer wohler und voller ums Herz; gerade ihr Scherz und ihr Ungestüm, womit ihre Gefühle wie noch mit einer Puppen-Hülse ausflogen, überraschten den Überfeinerten und Verwöhnten; und die Nähe eines entgegengesetzten Vaters hob mit Schlagschatten ihre Lichter; denn er mußte denken: wem hat sie ihr Herz zu danken als allein ihrem Herzen? – Hätte er die Erfahrung der Soldaten und Dichter nicht gehabt, zu siegen wie Cäsar, wenn er käme und – gesehen würde oder gar gehört – wie denn schon am Himmel der Liebestern sich nie so weit vom dichterischen Sonnengott verliert, daß er in Gegenschein oder Entgegensetzung mit ihm geriete -: wäre dies nicht gewesen, Nieß würde anders prangen in dieser Geschichte.

Im Fugnitzer Wirthaus geriet er mit sich in folgendes Selbgespräch: »Ja, ich wag’ es heute und sag’ ihr alles, mein Herz und mein Glück. – Blickt sie neben mir allein in den stillen Mond und auf die Gräber und in die Blüten: so wird sie das Wort meiner Liebe besser verstehen; o dann soll das reine Gemüt den Lohn empfangen und der geliebte Dichter sich ihm nennen. Wenn sie aber nein sagte? – Kann sie es denn? Geb’ ich ihr nicht meinen Stand und alles und mein Herz? Und bist du denn so unwert, du armes Herz? Schlägst du nicht für fremde Freuden und Leiden stark? Und noch niemand hab’ ich unglücklich machen wollen. Nicht stark genug ist mein unschuldiges Herz, aber ich hasse doch jede Schwäche und liebe jede Kraft. O wären nur meine Verhältnisse anders und hätt’ ich meine Seelenzwecke erreicht: ich wollte leicht trotzen und sterben. Woraus schöpft’ ich denn meinen ›Ritter größerer Zeit‹ als aus meiner Brust? – Meinetwegen! – Sagt sie doch nein und verkennt mich und liebt nur den Autor, nicht den Menschen: so bestraf’ ich sie im Badeort und nenne mich – und dann verzeih’ ich ihr doch wieder von Herzen.«

Am Ende und zumal hier nach dem Lesen dieses Selbgesprächs werf’ ich mir selber vor, daß ich vielleicht meinem fatalen Hange zum Scherztreiben zu weit nachgegeben und den guten Poeten in Streiflichter hineingeführt, in denen er eigentlich lächerlich aussieht und fast schwach. Kann er denn so viel dafür, daß seine Phantasie stärker als sein Charakter ist und Höheres ihm abfodert und andern vormalt,- als dieser ausführen kann? Und soll denn ein Petrus, weil er einmal dreimal verleugnete, darum keine zwei Episteln Petri schreiben? – Freilich von Eitelkeit kann ich ihn nicht losschwören, aber diese bewahrt (wie Hautausschläge vor der Pest) ihn vor Beulen des Hochmuts und Geschwulst des Stolzes. – Denn was sonst Theoda betrifft, die er so sehr lieben will, und zwar auf alle seine Kosten, so täte wohl jeder von uns dasselbe, wenn er nicht schon eine hätte oder gar etwas Besseres.

Wir kommen nun wieder auf die Sprünge seiner Freierfüße zurück. Er schlug, als das Glück die Gabe verdoppelt, nämlich den Doktor ausgeschickt hatte, Theodan den Nachtgang ins rechte Nachtquartier der Menschen, in den Gottesacker vor. Sie nahm es ohne Umstände und Ausflüchte an; so gern sie lieber ihre heutige Herz-Enge nur einsam ins Weite getragen hätte; Furcht vor bösen Männern vorher und vor bösen Zungen nachher war ihr ungewohnt. Als nun beide im Mond-Helldunkel und im Kirchhofe waren, und Theoda heute beklommener als je fortschritt, und sie vor ihm mit dem neuen Ernste (einem neuen Reize) dem alten Scherze den weichen Kranz aufsetzte, und als er den Mond als eine Leuchtkugel in ihre Seelen-Veste warf, um zu ersehen und zu erobern: so hört’ er deutlich, daß hinter ihm mit etwas anderm geworfen wurde. Er schaute sich um und sah gerade bei dem Gitter-Pförtchen einige Totenköpfe sitzen und gaffen, die er gar nicht beim Eintritte bemerkt zu haben sich entsinnen konnte. Inzwischen je öfter er sich umkehrte, desto mehr erhob sich die Schädelstätte empor. Sehr gleichgültige und verdrießliche Gespenster-Gedanken wie diese bringen um den halben Flug, und Nieß senkte sich.

Katzenberger – von dem kam alles – hatte sich nämlich längst in unschuldiger Absicht auf den Gottesacker geschlichen, weniger um Gefühle als um Knochen einzusammeln, das einzige, was der Menschenfresser, der Tod, ihm zuwarf unter den Tisch. Zufällig war das Beinhäuschen, worin er aus einer Knochen-Ährenlese ein vollständiges Gerippe auszuheben arbeitete, am Eingangs-Gitterpförtchen gelegen und hatte mehr den Schein eines großen Mausoleums als eines kleinen Gebeinhauses. Katzenberger hörte das dichterische Eingehen und zwei bekannte Stimmen, und er sah durch das Gitter alles und erhorchte noch mehr. Die Natur und die Toten schwiegen, nur die Liebe sprach, obwohl keine Liebe zur andern. Für den wissenschaftlichen Katzenberger, der eben mitten unter der scharfen Einkleidung des Lebens wirtschaftete, war daher der Blick auf Nieß, der, wie der Doktor sich in einem bekannten Briefe ausdrückte, »seinen Kopf, wie ein reitender Jäger den Flintenlauf, immer gen Himmel gerichtet anhängen hatte«, kein sympathetischer Anblick, obwohl ein antipathetischer. Bei ihm wollte das wenige, das Nieß über Tote und vermählte Herz-Paradiese auf dem Wege hatte fallen lassen, sich wenig empfehlen. Vor allem Warmen überlief gewöhnlich des Doktors innern Menschen eine Gänsehaut; kalte Stichworte hingegen rieben wie Schnee seine Brust und Glieder warm und rot. Übrigens verschlang sich seine Seele ziemlich mit der Nießischen, so wie der Werboffizier bei dem Rekruten schläft und immer einen Schenkel oder Arm auf ihn legt, um ihn zu behalten im Schlafe. Er nun hatte die Köpfe und Ellenbogen am Pförtchen angehäuft. – Endlich ließ er gar ein rundes Kinderköpfchen nach dem Dichter laufen als nach seinem Kegelkönig. Aber hier nahm Nieß aus übermäßiger Phantasie Reißaus und schwang sich auf einen nahen Birnbaum an der niedern Gottesackermauer, um allda- weil das Knochenwerk als Floßrechen und gestachelter Herisson die Pforte versperrte – ins Freie zu sehen und zu springen. Umsonst rief die über seinen Schrecken erschrockne Theoda bange nach, was ihn jage, ihr Vater sammle nur Skelette. Nun trat der Doktor selber aus seinen Schießscharten heraus, ein wohlerhaltenes Kindergerippe wie eine Bienenkappe auf den Kopf gestülpt, und begab sich unter den Birnbaum und sagte hinauf: »Am Ende sind Sie es, die selber droben sitzen, und wollen den Gottesacker und die Landschaft besser übersehen?« Aber Nieß, längst verständigt, war während des Hinaufredens des Doktors schon um die Mauer herum und durch das Pförtchen zurückgerannt und erfaßte jetzo, mit zwei aufgerafften Armknochen in Händen, hinten den Doktor an den Achselknochen, worüber er die bleichen ragen ließ, mit den Worten: »Ich bin der Tod, Spötter!« Katzenberger drehte sich selber ruhig um; da lachte der Poet ungemein, mit den Worten: »Nun so haben wir beide unsern lustigen Zweck einer kleinen Schrecken-Zeit verfehlt; nur aber Sie zuerst!« – »Ich für meine Person fahre gern zusammen – versetzte der Doktor -, weil Schrecken stärkt, indes Furcht nur schwächt. In Hallers Physiologie [Fußnote] Im fünften Bande. und überall können Sie die Beispiele zusammenfinden, wie durch bloßen starken Schrecken – weil er dem Zorne ähnlich wirkt – Lähmung, Durchfall, Fieber gehoben worden, ja wie Sterbende durch auffliegende Pulverhäuser vom Aufflug nach dem Himmel gerettet worden und wieder auf die Beine gebracht; – und ganze matte Staaten waren oft nur zu starken durch Erschrecken. Furcht hingegen, Herr von Nieß, ist, wie ihre Leiberbin und Verwandte, die Traurigkeit, nach demselben Haller und den nämlichen andern, wahres Lähmgift für Muskeln und Haut, Hemmkette des umlaufenden Bluts, macht Wunden, die man sich durch eigne Tapferkeit oder von fremder geholt, erst unheilbar und überhaupt leicht toll, blind und stumm. Es sollte mir daher leid tun, wenn ich Sie mit meinen Versuchen in Furcht anstatt in Schrecken und Zusammenschaudern mit Haarbergan gesetzt hätte; und Sie werden mich belohnen, wenn Sie mir sagen, ob Sie gefürchtet haben oder nur geschaudert.« -

»Ich bin ein Dichter, und Sie ein Wissenschaft-Weiser; dies erklärt unsern Unterschied«, versetzte Nieß. Theoda aber, die ihren eignen Mut bei Männern verdoppelt voraussetzte, glaubte ihm gern. Aber ihr Vater hatte seine Gedanken, nämlich satirische. – Übrigens ging er selig mit doppelten Gliedern (wie ein Englisch-Kranker), mit mehren Köpfen und Rückgraten behangen, die er aus der Trödelbude und Rumpelkammer des Todes geholt, nach Hause.

Quellenangabe

Name Wert
type fiction
booktitle Dr. Katzenbergers Badereise
author Jean Paul
year 1994
publisher Philipp Reclam jun.
address Stuttgart
isbn 3-15-000018-1
title Dr. Katzenbergers Badereise
sender gerd.bouillon@t-online.de
firstpub 1809
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© Projekt Gutenberg

 

Friedhof

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Ein Friedhof (auch Begräbnisplatz, Gottesacker oder Kirchhof) ist ein Ort, an dem Verstorbene, in den meisten Fällen begleitet von einem religiösen Ritus, bestattet werden. Das Wort Friedhof leitet sich ursprünglich vom althochdeutschen „frithof“, der Bezeichnung für den eingefriedeten Vorhof einer Kirche ab. Der Bedeutungswandel zu einem „Hof des Friedens“ vollzog sich über die Jahrhunderte mit dem Verblassen der etymologischen Wurzel. Friedhöfe werden hauptsächlich für Menschen eingerichtet, es existieren jedoch auch Friedhöfe für Tiere. Im weiteren Sinne wird die Bezeichnung für Endlagerstätten aller Art verwendet, beispielsweise in den Begriffen Autofriedhof und Schiffsfriedhof.

Für das Domkapitel reservierter Bereich auf dem Wiener Zentralfriedhof

Für das Domkapitel reservierter Bereich auf dem Wiener Zentralfriedhof

Inhaltsverzeichnis

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Funktionen des Friedhofs

„Holzstickel“ als Grabsteinersatz auf einem südhessischen Friedhof

Automat für Grablichter auf dem Friedhof von Ettal

Automat für Grablichter auf dem Friedhof von Ettal

Nürnberg, Dürergrab auf dem Johannisfriedhof von Osten. Im Hintergrund der Chor der Kirche St. Johannis.

Nürnberg, Dürergrab auf dem Johannisfriedhof von Osten. Im Hintergrund der Chor der Kirche St. Johannis.

Friedhöfe erfüllen wichtige und in jeder Kultur bestehende individuelle und kollektive Funktionen. Vor allem sind sie dazu bestimmt, den Angehörigen Verstorbener ein ungestörtes Totengedenken zu ermöglichen. Darüber hinaus spielen sie eine wichtige Rolle in der religiösen Praxis, erfüllen aber auch wichtige öffentliche Interessen.

Kultische Funktionen

Der Grabplatz dient einzelnen Verstorbenen oder Familien als letzte Ruhestätte, weswegen der Friedhof in allen Kulturen ein Ort des Gedenkens, der Einkehr und der Trauer ist. Die Angehörigen des Toten übernehmen in der Regel die Pflege des Andenkens an den Verstorbenen, indem sie die Grabstelle instandhalten und ausstatten, häufig auch finanzieren. Rechtlich folgt die Finanzierung der Grabstätte aus der (in Deutschland) landesrechtlich geregelten Bestattungspflicht.

Um das Begräbnis und nachfolgende Gedenkrituale für die Toten abzuhalten, sind Friedhöfe mit einer zweckgerichteten Infrastruktur ausgestattet: Je nach Kultur und Religion sind auf Friedhöfen neben den eigentlichen Grabplätzen beispielsweise Kapellen, Schreine oder Heiligtümer und Totenhallen zur Aufbahrung der Toten errichtet. Auch Krematorien und Beinhäuser finden sich häufig direkt auf oder nahe dem Friedhofsgelände.

In vielen Religionen ist der Friedhof ein heiliger Ort; im Christentum werden sie zum Beispiel traditionell vom zuständigen Geistlichen geweiht. Diese kultische Bedeutung des Friedhofs hat eine Vielzahl an Tabus, moralischen Pflichten und Gesetzen hervorgebracht, die eine Entweihung unter Strafe stellen. Die bekanntesten derartigen Vergehen, die praktisch in allen Kulturen Gültigkeit besitzen, sind die Störung der Totenruhe, auch Leichenschändung genannt, sowie Grabschändung und Grabraub. Derartige Handlungen sind nach deutschem Recht Straftaten, werden also auch öffentlich verfolgt. Um die Totenruhe zu schützen, sind Friedhöfe grundsätzlich nicht unbeschränkt zugänglich, sondern mit Umfassungsmauern und verschließbaren Zugängen gesichert, deren unbefugtes Betreten ist in den meisten Fällen ebenfalls mit Strafen belegbar. Unter einer Entweihung können auch kultische Handlungen begriffen werden, die der Religion widersprechen, der der Friedhof gewidmet ist, beispielsweise im Rahmen von satanischen Riten.

Gesellschaftliche Funktionen

Neben der kultisch-rituellen Funktion übernehmen Friedhöfe häufig weitere Aufgaben: So dienen sie in vielen Gesellschaften der öffentlichen Hygiene, da die Beerdigung in öffentlich geregeltem Rahmen und an hierzu vorgesehenen Orten der Ausbreitung von Seuchen und der Belastung des Grundwassers vorbeugt. Auch aus diesem Grund hat sich in Deutschland der Friedhofszwang herausgebildet, der vorschreibt, dass Menschen und deren Asche nur auf Friedhöfen beigesetzt werden dürfen. Eine Ausnahme hiervon bildete lange Zeit lediglich die Seebestattung von Urnen und Sonderregelungen in einigen Bundesländern. Heute bestehen zunehmend Alternativen zu Friedhofsbestattungen, etwa die Beisetzung in Friedwäldern.

Aufgrund ihrer kulturell herausragenden Rolle stehen nicht wenige Friedhöfe unter Denkmalschutz und stellen touristische Attraktionen dar. Dies liegt in ihrem kulturgeschichtlichen, architektonischen oder landschaftsarchitektonischen, oft auch künstlerischen Wert begründet, der sich in der Anlage oder einzelnen Grabstellen entfaltet hat. Zudem spielt das Gedenken an bestimmte Verstorbene auch gesellschaftlich eine große Rolle: Manche Gräber und einige Friedhöfe haben sich zu regelrechten Wallfahrtsorten entwickelt.

Ökologische Funktionen

Städtische Friedhöfe bilden, sofern sie begrünt sind, einen Ausgleich zu ihrem verdichteten Umfeld und übernehmen neben Parkanlagen und Alleen wichtige klimatische und ökologische Funktionen. In einigen Fällen Stellen sie Sekundärbiotope dar, die auch seltenen Arten ein wichtiges Rückzuggebiet bieten. Manche Friedhöfe übernehmen Teilfunktionen von Naherholungsgebieten.

Planung, Gestaltung und Infrastruktur

Die Friedhöfe, die heute genutzt werden, sind entweder alte, seit langem genutzte Kirchhöfe, die insbesondere in dörflichen Gemeinden noch unverändert genutzt werden, oder, vor allem in größeren Städten, auf ein größeres Einzugsgebiet angelegte und geplante Areale. Letztere sind in der Regel vor ihrer Inbetriebnahme geplant und mit einer Infrastruktur ausgestattet worden. Bei der Flächenplanung des Friedhofs wurde zur Zeit seiner Entstehung im Normalfall eine langfristige Bedarfsplanung zugrunde gelegt, die die Größe des Areals bestimmte. Die anschließende Erschließung und Gestaltung des Geländes erfolgte häufig unter ästhetischen und landschaftsarchitektonischen Rahmenbedingungen und beinhaltete vor allem die Erschließung über Wege, die Parzellierung und Geländeaufteilung nach verschiedenen Kriterien, Bepflanzung sowie Bau bzw. Einrichtung infrastruktureller Bestandteile.

Kirche mit Kirchhof in einem kleinen ostfriesischen Dorf

Kirche mit Kirchhof in einem kleinen ostfriesischen Dorf

Die Aufteilung des Friedhofsgeländes kann äußerst vielgestaltig sein. Während kleine Friedhöfe zumeist keine Untergliederung in verschiedene Bereiche aufweisen, existieren auf solchen insbesondere in Großstädten zuweilen Abteilungen für verschiedene Religionen, besonders bevorzugte Bereiche für wohlhabende Familien oder Flurstücke für Ehren- und Soldatengräber. Häufig sind sie, zumindest im zentralen Teil, durch Achsen bzw. einen zentralen Platz symmetrisch gegliedert. Die Mittelachsen, in der Regel vom Haupteingang zum Mittelpunkt des Geländes führend, sind dabei meist am aufwendigsten gestaltet, etwa durch Alleen, und daher bevorzugte Plätze für Ehrengräber.

Die Infrastruktur, die von der Friedhofsverwaltung bereitgestellt wird, betrifft Wege und Umfriedung des Geländes selbst und zumeist die Einrichtungen zur Bestattung, Grün- und Grabpflege. Dabei ist selbst auf den kleinsten Friedhöfen ein Wasseranschluss und ein Ort zur Entsorgung von Grünabfällen vorhanden. Hinzu kommen auf den meisten Friedhöfen eine Trauerhalle zur Aufbahrung der Toten, eine Kapelle oder gar eine eigene Kirche und in manchen Fällen ein eigenes Krematorium. Häufig ist auch die Friedhofsgärtnerei auf dem Gelände selbst untergebracht. Die Friedhofsverwaltung selbst dagegen hat nur selten ihren Sitz direkt am Friedhof.

Hinzu kommt in unmittelbarer Umgebung des Friedhofs eine mehr oder weniger ausgeprägte sekundäre Infrastruktur, die auf die Bedürfnisse der Besucher ausgerichtet ist und zumeist privat betrieben wird. Hierzu zählen Gärtnereien und Blumenhandel, Steinmetze und Grabsteinanbieter, Devotionalienhandel, aber auch gastronomische Betriebe wie Cafés und Restaurants sowie Kioske und in manchen Fällen Souvenirgeschäfte.

Geschichtliche Entwicklung

Megalithreihen in Carnac, Frankreich.

Megalithreihen in Carnac, Frankreich.

Das Tal der Könige in Luxor, Ägypten.

Das Tal der Könige in Luxor, Ägypten.

Der Stadtgottesacker in Halle, einer der ersten Zentralfriedhöfe Deutschlands.

Der Stadtgottesacker in Halle, einer der ersten Zentralfriedhöfe Deutschlands.

Grab- und Kultstätten sind die ältesten Zeugnisse menschlicher Zivilisation überhaupt. Bereits im Verlauf der frühen Steinzeit gingen die Menschen dazu über, ihre Toten zu bestatten. Schon vor der Sesshaftwerdung des Menschen entstanden von Familien genutzte separate Familienbegräbnisplätze. Wo Menschen dauerhaft zusammenlebten, entstanden festgelegte Orte, an denen Bestattungen abgehalten wurden. Aus dem Neolithikum sind insbesondere Megalithgräber erhalten.

Mit Aufkommen der ersten Hochkulturen entwickelte sich auch das Bestattungswesen. In Ägypten, wo ein ausgesprochener Totenkult herrschte, entstanden auf der – dem jenseitigen Reich zugeordneten – linken Nilseite nicht nur die Pyramiden als bis heute nicht wieder an Größe erreichte Einzelgräber, sondern ganze Totenstädte. Auch in Kleinasien und Kreta, später auch im antiken Griechenland, wurden die Toten an Orten bestattet, die außerhalb des städtischen Lebens angesiedelt waren. Dies konnten Gräberfelder sein; auch Felsengräber in künstlichen Höhlen waren nicht selten. Oft wurde in der Nähe ein Heiligtum oder ein ganzer Tempelbezirk errichtet, um kultische Handlungen zu Ehren der Toten durchzuführen.

Im Römischen Reich waren die Grabstätten unterschiedlich organisiert und von räumlichen Gegebenheiten abhängig. Insbesondere reiche Bürger ließen sich entlang von Ausfallstraßen begraben, wo sie kunstvoll behauene und reich beschriftete Tafeln, Stelen oder Mausoleen errichten ließen. Rom verfügte mit den Katakomben über eine ausgedehnte, unterirdische Totenstadt, in der die Verstorbenen in Nischen eingemauert wurden.

Im Christentum nahm die Entwicklung einen ungewöhnlichen Lauf: Die Begräbnisstätten wurden unmittelbar in die oder um die Kirchen und damit in die Mitte der Siedlungen verlegt, da man glaubte, dass die sakrale Umgebung die beste Ruhe für die Verstorbenen darstellte. Sowohl die auf germanisch-keltischer Tradition beruhenden Gräberfelder als auch die Feuerbestattung wurden als heidnisch angesehen. Als Zeichen der religiösen Bedeutung wurden christliche Friedhöfe von kirchlichen Würdenträgern geweiht. Entsprechend genoss die Bestattung in der Kirchengruft selbst das höchste Sozialprestige und war nicht selten kirchlichen Würdenträgern vorbehalten; der Kirchhof nahm die gesellschaftliche Mitte auf. Dabei waren Einzelgräber, wie sie heutzutage Standard sind, eine seltene Ausnahme: Aus Platzmangel war die Bestattung in geweihten Massengräbern die üblichere Variante. Außerhalb der Stadtmauern fanden Verstorbene ihren Platz in ungeweihter Erde, wenn der Verstorbene exkommuniziert oder kriminell gewesen war oder einfach nur einen zu niedrigen Stand hatte: Bettler, Gaukler und Schauspieler hatten beispielsweise keinen Platz auf geweihten Friedhöfen.

Insbesondere in Zeiten erhöhter Sterblichkeit (infolge von Seuchen, Hungersnöten, Kriegen etc.) gerieten die Kirchhöfe schnell an ihre Kapazitätsgrenze, so dass Umbettungen halbverwester Leichen und die ständige Öffnung der Gräber für anhaltende Geruchsbelästigung und gesundheitliche Gefahren sorgten. Pestfriedhöfe weit außerhalb der Siedlungen sollten zumindest die ärgste Gefahr eindämmen. Die Anlage innerstädtischer Friedhöfe wurde später aufgegeben: Zentrale Friedhöfe außerhalb der Stadtmauern, die vom Standort einer Kirche unabhängig waren, wurden vereinzelt bereits zur Renaissance, verstärkt ab 1750 und im Verlauf des 19. Jahrhunderts dann flächendeckend geschaffen.

Die weitgehende Säkularisierung der christlich geprägten Gesellschaften, die insbesondere in Europa seit dem 20. Jahrhundert immer weiter vorangeschritten ist, hat auch die traditionellen Formen des Trauerns verändert. Mit der Loslösung der Trauerformen von religiösen Gemeinschaften hat sich das Totengedenken zunehmend in den privaten Bereich verlagert. Damit einher ist ein Bedeutungsverlust öffentlicher Grabstätten gegangen: Sowohl die Zahl anonymer Begräbnisse als auch preisgünstiger Formen der Bestattung (etwa Feuerbestattungen) haben in der Folge stetig zugenommen. Mit der Verbreitung des Internets sind außerdem eine Vielzahl von virtuellen Friedhöfen entstanden, die vollkommen unabhängig von einem physischen Ort der Totenruhe sind.

Formen und Ausgestaltung

Der Soldatenfriedhof von Omaha Beach, Normandie.

Der Soldatenfriedhof von Omaha Beach, Normandie.

Die Gedenkstätte in Lidice.

Die Gedenkstätte in Lidice.

Schädel von Opfern der Roten Khmer in einer Gedächtnisstätte in Phnom Penh.

Schädel von Opfern der Roten Khmer in einer Gedächtnisstätte in Phnom Penh.

Zumeist ist ein Friedhof die letzte Ruhestätte für die Verstorbenen einer Kommune oder einem Teil einer Kommune. Der Friedhof wird entweder durch die Kommune selbst oder die lokale religiöse Gemeinschaft getragen, wobei die beiden Institutionen in manchen Kulturen zusammenfallen. Dabei kann der Friedhof in sich wieder unterteilt sein: So finden sich in vielen Friedhöfen durch Lage und Ausgestaltung privilegierte Bereiche, die Würdenträgern oder begüterten Familien vorbehalten sind, so wie es auch Bereiche für Armengräber gibt. Mitglieder bestimmter sozialer oder beruflicher Gruppen können ebenfalls in eigenen Bezirken untergebracht sein: Häufig ist dies bei Soldaten oder Geistlichen der Fall.

Ehren- und Soldatenfriedhöfe

Da Soldaten zu jeder Zeit und im 20. Jahrhundert zunehmend in Massen ihr Leben eingesetzt haben, sind weltweit Soldatenfriedhöfe als eine Sonderform des Friedhofs zu finden. Diese können eine beträchtliche Dimension erreichen: Alleine auf dem Schlachtfeld von Verdun sind die Überreste von mindestens 130.000 Soldaten untergebracht, die meisten davon liegen, weil sie nicht identifiziert werden konnten, nicht in Einzelgräbern, sondern in einem Beinhaus. Soldatenfriedhöfe sind nicht selten ein Platz der nationalen Identifikation und Heldenverehrung. Der umgangssprachlich häufig so betitelte „Heldenfriedhof“ in Arlington, USA, ist das bekannteste Beispiel dafür. Eine weitere Besonderheit sind Ehrenfriedhöfe, die Staatsführern, Monarchen, hochrangigen Politikern oder sonstigen nationalen Identifikationsträgern vorbehalten sind. So ist es in Russland ein Zeichen besonderer Ehre, die letzte Ruhestätte an der Außenmauer des Moskauer Kreml zu erhalten.

Gedenkstätten für Opfer von Terror und Gewaltherrschaft

Im 20. Jahrhundert hat sich eine besondere Form von Friedhöfen entwickelt, die mit einer vorher nicht da gewesenen, massenhaften, systematischen und häufig industriell organisierten Vernichtung von Leben in engem Zusammenhang steht. An vorderster Stelle sind die Gedenkstätten zu nennen, die in ehemaligen Konzentrationslagern errichtet worden sind. Im Unterschied zu Friedhöfen mit Bestattungswesen sind hier eine große, nicht näher bekannte Zahl von Mordopfern in Massengräbern verscharrt oder verbrannt worden. Das Gedenken an das Opfer als Individuum ist in solchen Stätten kaum noch möglich. Gedenkstätten dienen neben der Trauer vor allem zur Dokumentation und Mahnung, erfüllen also in hohem Maße gesellschaftliche Funktionen. Auch auf den Konzentrationslagern ähnliche Einrichtungen wie die Lager in der ehemaligen Sowjetunion (Gulags) oder die Vernichtungslager der Roten Khmer in Kambodscha trifft dies zu. Im Zuge von Kriegsverbrechen vernichtete Dörfer wie Lidice oder Oradour-sur-Glane sind als Ganzes zur Gedenkstätte erklärt worden. Oradour, das nach dem Krieg neu aufgebaut wurde, gedenkt der Opfer sowohl kollektiv mittels der konservierten Dorfruine als auch individuell auf dem kommunalen Friedhof. Auch Hinrichtungsstätten (z. B. Plötzensee) und Gefängnisse werden häufig zu Gedenkstätten, unabhängig davon, ob die Toten am Ort selbst verblieben sind.

Religiöse und ethnische Besonderheiten

Jüdischer Friedhof in Jerusalem

Jüdischer Friedhof in Jerusalem

Islamischer Friedhof in Aleppo

Islamischer Friedhof in Aleppo

Friedhof in Tokio

Friedhof in Tokio

Die Sepulkralkultur ist in denjenigen Religionen am ausgeprägtesten entwickelt, die der Totenruhe eine besondere Stellung einräumen, weil sie an eine Auferstehung und jenseitiges Fortleben glauben. Insbesondere die monotheistischen Religionen ähneln sich in diesem Bekenntnis, das seinen Ursprung schon im Alten Testament hat. Es bestehen trotzdem Unterschiede zwischen den Begräbnisvorschriften, die sich in der Gestaltung der Friedhöfe manifestiert.

Der Islam schreibt die Bestattung der Toten in Richtung Mekka vor, so dass alle Grabstellen auf islamischen Friedhöfen gleich ausgerichtet sind. Häufig sind diese aus Stein errichtet, teils gemauert oder mit Kacheln belegt, häufig findet man Stelen oder Steine an Kopf- wie Fußende. Särge sind nicht üblich, die Toten werden nur in weiße Tücher gehüllt und direkt in die Erde gelegt.

Jüdische Friedhöfe zeichnen sich dadurch aus, dass die Toten, weil es den Glaubensvorschriften widerspräche, nie umgebettet oder exhumiert werden; auch die Grabsteine werden nicht entfernt. Statt dessen werden mit der Zeit Gräber übereinander geschichtet, wodurch eine extreme Dichte der Gräber und der Grabsteine entsteht. Hierdurch fehlt manchmal sogar eine geordnete Wegeführung.

In westlichen Ländern christlicher Prägung hat sich eine besondere Friedhofskultur ausgeprägt, die von sehr vielgestaltigen ästhetischen Rahmen bestimmt ist. Häufig haben sich in verschiedenen Kulturräumen sehr spezifische Traditionen herausgebildet. Auch innerhalb christlich geprägter Regionen unterscheiden sich Friedhöfe zum Teil beträchtlich:

  • Im mittel- und osteuropäischen Raum erscheinen die Friedhöfe nicht selten wie Parks und weisen einen hohen Grünanteil auf. Die Grabparzellen sind, wenn sie nicht mit einer Grabplatte belegt sind, häufig wie ein Beet kultiviert und weisen einen vielgestaltigen gärtnerischen Charakter auf.
  • Im nordeuropäischen und angloamerikanischen Raum werden Rasenflächen bevorzugt, aus denen nur ebenerdige Platten oder aufrechte Steine ragen; der einzelne Grabplatz ist nur selten umfriedet. Baumbestand ist häufig, dient aber meist nur zur optischen Abtrennung des Geländes oder seiner einzelnen Bereiche.
  • In Frankreich, Südeuropa und Lateinamerika sind Friedhöfe in der Regel vegetationslos gehalten oder weisen nur vereinzelt Baumbestände (im Mittelmeerraum vor allem Zypressenalleen) auf. Die Grabplätze sind aus Stein gemauert oder mit einer Platte abgedeckt, teils auch umfriedet und mit Schotter oder Kies verfüllt. Künstliche Pflanzen, Keramikobjekte und Tafeln ersetzen häufig die Vegetation. Nicht selten finden sich – insbesondere im spanisch-portugiesischen Raum – katakombenartige Wände mit mehreren Etagen, in denen die Toten in Fächer gebettet und eingemauert werden.

Auch östliche Religionen kennen die Einrichtung von Friedhöfen. Insbesondere der Shintoismus misst dem Andenken Verstorbener eine den westlichen Religionen vergleichbare Bedeutung bei, die sich in der Anlage der Friedhöfe erkennen lässt. Da die eigentliche Leiche als unrein gilt, enthalten Shintoistische Friedhöfe oft nur Scheingräber. Dagegen existieren im Hinduismus keine Friedhöfe. Das Glaubensprinzip der ewigen Wiedergeburt widerspricht der Anlage von Bestattungsplätzen; statt dessen wird die Asche der Toten in der Regel in einen Flusslauf gestreut. Das Gedenken an Tote findet in der Privatsphäre statt, wo den Verstorbenen ein Schrein errichtet wird.

Berühmte Friedhöfe

Der Père Lachaise in Paris ist einer der berühmtesten Friedhöfe der Welt.

Der Père Lachaise in Paris ist einer der berühmtesten Friedhöfe der Welt.

Nicht wenige Friedhöfe sind aufgrund ihrer Gestaltung, Geschichte, Bedeutung oder der Prominenz ihrer Bestatteten zu weltweit bekannten Attraktionen geworden. So ziehen der Père Lachaise in Paris, der Zentralfriedhof in Wien oder der flächenmäßig größte Friedhof Europas in Hamburg-Ohlsdorf ganzjährig Scharen von Besuchern an. Häufig werden touristische Führungen angeboten; die Ausgestaltung der Grabstätten ist Thema von kunsthistorischen Betrachtungen. Zu einzelnen Ruhestätten, insbesondere von Idolen aus Politik, Gesellschaft oder Popkultur, finden regelrechte Pilgerfahrten statt. Die Friedhofsverwaltung von Paris hat auf dem Père Lachaise bereits Wachpersonal aufstellen lassen, da rund um das Grab des ehemaligen „Doors“-Sängers Jim Morrison Vandalismus und Ruhestörung überhand genommen hatten.

Organisation und Verwaltung

Verwaltung und Betrieb von Friedhöfen sind gesetzlich geregelt und daher in der überwiegenden Zahl der Fälle öffentlich-rechtlich organisiert. Hierbei unterscheiden sich die Rahmenbedingungen nach Land oder Region, Trägerinstitutionen und örtlichen Gegebenheiten. Die Regulierung durch die Öffentliche Hand geht bereits auf das Ende des Dreißigjährigen Krieges zurück, als die Kirchen erstmalig durch Staaten verpflichtet wurden, die Tore ihrer Friedhöfe für Verstorbene anderer Konfessionen zu öffnen.

Rechtlicher Rahmen

Im Friedhofsrecht werden Rechte, Pflichten und Verbote über Friedhofssatzungen geregelt. Diese werden im Allgemeinen von der Friedhofsverwaltung verfasst, publiziert und überwacht. Friedhofssatzungen müssen sich am jeweils geltenden Friedhofs- und Bestattungsrecht ausrichten, das in Deutschland Landesrecht ist. Die rechtlichen Rahmenbedingungen werden örtlich ausgestaltet und konkretisiert. Insbesondere regelt eine Friedhofssatzung die Öffnungszeiten, Verhaltensregeln, gewerbliche Tätigkeiten, Nutzungsrechte und Ruhefristen von Grabplätzen, Umbettung, Beisetzung und Trauerfeiern. Zur Satzung hinzu tritt die Friedhofsgebührenordnung, die Gebühren für von der Friedhofsverwaltung bereitgestellte Leistungen festlegt. Die Gebühren werden in der Regel nach Beschluss des Stadtrates von der Verwaltung bestimmt.

Trägerschaft

Der Friedhof wird in den meisten Fällen von der Kommune oder der lokalen Glaubensgemeinschaft getragen. Darüber hinaus existieren – insbesondere für kulturell herausragende Friedhöfe mit überwiegendem Denkmalscharakter – Träger in Form von Stiftungen und Vereinen.

Kommunale Friedhöfe sind in der Regel als städtische Regiebetriebe geführt, d. h. sie haben im Unterschied zu betriebswirtschaftlich organisierten Betrieben keine eigene Rechtspersönlichkeit und keinen eigenen Haushalt, dafür jedoch hoheitliche Befugnisse. Zuständig für den Betrieb ist die Friedhofsverwaltung. Diese kann in unterschiedlichen Bereichen der Kommunalverwaltung verortet sein, etwa über das Ordnungsamt, das Bauamt oder das Grünflächenamt. In einigen Fällen ist sie auch Bestandteil von Eigenbetrieben, etwa wenn die Friedhofsverwaltung in die Obhut der Stadtwerke ausgegliedert wurde.

Friedhöfe unter kirchlicher Trägerschaft sind dagegen in der Regel mit einem eigenen Haushalt ausgestattet und dazu angehalten sich selbst zu tragen. Wie kommunale Friedhöfe auch verfügen sie über Einnahmen in Form von Friedhofsgebühren und aus wirtschaftlicher Tätigkeit (etwa Leistungen der Gärtnerei für Grabpflege etc.).

Als Träger von Soldatenfriedhöfen ist in Deutschland der Volksbund Deutsche Kriegsgräberfürsorge, in Österreich das Schwarze Kreuz etabliert. Diese Vereine bestreiten ihre wirtschaftlichen Aktivitäten aufgrund von Mitgliedsbeiträgen und öffentlichen Zuschüssen.

Bewirtschaftung

Historischer Teil des Frankfurter Hauptfriedhofs

Historischer Teil des Frankfurter Hauptfriedhofs

Von verfallenden Gräbern wie hier auf einem französischen Dorffriedhof können Probleme ausgehen.

Von verfallenden Gräbern wie hier auf einem französischen Dorffriedhof können Probleme ausgehen.

Trends und Änderungen in der Gesellschaft und ihres Wertesystems setzen die Friedhofsverwaltungen gerade im deutschsprachigen Raum zunehmend unter Handlungsdruck. Insbesondere die abnehmende Bedeutung herkömmlicher Bestattungsformen führt dazu, dass Friedhöfe zunehmend in finanzielle Bedrängnis geraten. Dies führt zu verschiedenen Strategien seitens der Kirchen und Kommunen, aus diesem Dilemma herauszufinden.

Tendenz zur Unterbelegung

Seit dem Ende des 20. Jahrhunderts sehen sich die Friedhofsverwaltungen im deutschsprachigen Raum zunehmenden Problemen ausgesetzt, die sich aus einer ständig zurückgehenden Auslastung der Friedhöfe ergeben. Die Probleme bestehen in einer sich stetig verschärfenden Unterdeckung der für die Friedhofspflege aufzubringenden Kosten, bedingt durch eine ständige Verringerung der erzielten Einnahmen aus dem Bestattungsbetrieb. Die Gründe für diese Tendenz sind folgende:

  • Tendenz zur Urnenbestattung. Ein stetig zunehmender Anteil von Bestattungen erfolgt heute als Feuerbestattung mit anschließender Urnenbeisetzung. Hierbei sinkt der Flächenbedarf überproportional, da viele Urnen nicht mehr in einem Urnengrab beigesetzt werden, sondern in Urnengemeinschaftsanlagen. Gründe für den steigenden Anteil der Urnenbestattungen sind:
    • Soziale Isolierung und Verstreuung von Familien mit der Folge, dass keine Angehörigen für die Grabpflege verfügbar sind.
    • Verschiebung der wirtschaftlichen Prioritäten. Eine nach allgemeinem Verständnis als „würdig“ anzusehende Erdbestattung mit Sarg kostet durchschnittlich ca. 5000 Euro.[1] Einen solchen Betrag können oder wollen viele nicht aufbringen.
  • Rückgang der Todesfälle durch Bevölkerungsabnahme und höherer Lebenserwartung. In Berlin-Neukölln etwa ging die jährliche Zahl der Beerdigungen zwischen den 1970er Jahren und 2004 von ca. 3.000 auf nur noch 323 zurück. In Berlin ist bereits ein erheblicher Teil der verfügbaren Friedhofsfläche ungenutzt; praktisch besteht bei einem Sterbefall Wahlfreiheit, auf welchem Friedhof die Beisetzung stattfinden soll. Ein Rückgang der genutzten Fläche wird bundesweit ab den Jahren 2010 bis 2020 prognostiziert.

Schwierigkeiten bereiten den Friedhofsverwaltungen verfallende und verwahrlosende Grabstellen, die entstehen, weil entweder die Angehörigen die Pflege vernachlässigen oder die Stelle mangels Nachfrage schlicht nicht wiederbelegt werden kann. Neben der Störung des ästhetischen Gesamtbildes können von solchen Gräbern Gefahren ausgehen, etwa durch umstürzende Grabsteine. Angehörigen wird die Pflege insbesondere direkt angrenzender Grabstellen durch wucherndes Unkraut erschwert und nicht selten ziehen bereits beschädigte oder weitgehend verrottete Grabparzellen Folgeschäden durch Diebstahl oder Vandalismus im näheren Umfeld nach sich. Die Verwaltung kann hier nur selten wirksam durchgreifen, da bestehende Grabpachten nicht einseitig gekündigt werden können und die zusätzliche Pflege bei stets angespannter Haushaltslage sehr ressourcenbelastend ist.

Tendenz zur Überbelegung

Nicht weniger gravierende Folgen kann die Tendenz zur Überbelegung zeitigen, wie sie etwa im Großraum Athen (Griechenland) durch Mangel an geeigneten Erdflächen in Stadtnähe und durch das traditionelle Verbot der Feuerbestattung in der orthodoxen Kirche entsteht. Hier liegt das Hauptproblem darin, dass aufgrund der dauerhaften Belegung von Grabstellen keine neuen Gräber mehr vergeben werden können. Die Ursachen sind auch hier verschiedenartig:

  • In vielen Fällen sind Parzellen auf Dauer vergeben und befinden sich nicht selten im Eigentum von Familien. Obwohl hierfür in der Vergangenheit ein Betrag gezahlt wurde, verursachen diese Grabstellen dauerhafte Gemeinkosten, die nicht mehr über einen Mietzins umgelegt werden können.
  • Auch die Bodenbeschaffenheit kann die Belegung von Grabstellen verhindern. In ungünstigem Milieu kann die Verwesung der Leichen stark behindert werden oder völlig zum Erliegen kommen. Hierdurch wird eine Neubelegung der Gräber schwierig, denn die Entsorgung der so entstandenen Wachsleichen ist ein ethisch sehr bedenkliches Unterfangen.

Bodenverhältnisse und Umweltrisiken

Die Umweltschutzgesetze gelten auch für Friedhöfe. Daher ist von Seiten der Betreiber darauf zu achten, dass die entsprechenden Auflagen eingehalten werden, insbesondere was den Eintrag von Schadstoffen in das Grundwasser betrifft. Zusätzlich zu den Leichengiften, die bei jedem Verwesungsprozess anfallen, ist eine erhöhte Belastung durch Schwermetalle festzustellen: Amalgam in Zahnfüllungen oder Herzschrittmacher sind hier die Hauptursachen. Hinzu treten erhöhte Risiken durch Antibiotika, mit denen nicht wenige Leichen sehr stark belastet sind.

Die Verwesung wird wesentlich durch die Bodenverhältnisse bestimmt. Sie verläuft am schnellsten in trockenen, gut durchlüfteten Böden. Dagegen wird sie durch niedrige Temperaturen und Feuchtigkeit gebremst. Wachsleichen entstehen häufig in undurchlässigen Böden und bei hohem Grundwasserspiegel; viele Gebiete Deutschlands sind daher für die Bestattung nach heutiger Praxis eigentlich nicht geeignet, da der Verwesungsprozess mehr Zeit in Anspruch nimmt als die übliche Dauer der Grabpacht.

Neuere Entwicklungen

Durch den Wertewandel der vergangenen Jahrzehnte und damit verbundene Änderungen der Trauerkultur haben sich die Prioritäten der Angehörigen bei der Bestattung mit der Zeit verändert. Der Anteil der Feuerbestattungen hat erheblich zugenommen; der Anteil beträgt in Deutschland zwischen der Hälfte und zwei Dritteln der gesamten Bestattungen, mit dem höheren Wert in Großstädten. Auch werden Begräbnisse zunehmend preisbewusster gestaltet: kurze, preiswerte Zeremonien, pflegefreie Grabstätten und kürzere Pachtzeiten werden mehr und mehr nachgefragt. [2] Diesem Wandel versuchen sich die Friedhofsbetreiber anzupassen, indem sie beispielsweise Urnenwände, Rasenreihengräber oder Grabkammern anbieten. Letztere werden auch als „Turbograb“ bezeichnet, weil die aus Beton errichtete Kammer den Verwesungsprozess beschleunigen und damit die Belegzeit verringern soll. Bisher realisierte Lösungen werden derzeit sowohl unter ökonomischen als auch ethischen Kriterien heftig diskutiert. [3]

Literatur

  • Arbeitsgemeinschaft Friedhof und Denkmal, Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel (Hrsg.): Raum für Tote: die Geschichte der Friedhöfe von den Gräberstraßen der Römerzeit bis zur anonymen Bestattung; Braunschweig: Thalacker-Medien, 2003, ISBN 3-87815-174-8
  • Norbert Fischer, Markwart Herzog (Hg.): Nekropolis. Der Friedhof als Ort der Toten und der Lebenden. Stuttgart 2005 ISBN 3-17-018508-X
  • Claudia Denk, John Ziesemer (Hg.): Der bürgerliche Tod. Städtische Bestattungskultur von der Aufklärung bis zum frühen 20. Jahrhundert. Internationale Fachtagung des Deutschen Nationalkom-mitees von ICOMOS in Zusammenarbeit mit dem Bayerischen Natio-nalmuseum München, 11.-13. November 2005. Regensburg 2007 (= ICOMOS – Hefte des Deutschen Nationalkommitees 44), ISBN 978-3-7954-1946-2
  • Arno Langkavel: Auf Spurensuche in Europa – Denkmäler, Gedenktafeln und Gräber bekannter und unbekannter Astronomen. Verlag Harri Deutsch, Frankfurt am Main, 2006. 375 S.
  • Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Sepulkralkultur (Band 1), Braunschweig 2002, ISBN 3-87815-173-x
  • Zentralinstitut und Museum für Sepulkralkultur Kassel (Hrsg.): Großes Lexikon der Bestattungs- und Sepulkralkultur (Band 2), Braunschweig 2002, ISBN 3-87815-182-9

siehe auch

Weblinks

Wiktionary
Wiktionary: Friedhof – Bedeutungserklärungen, Wortherkunft, Synonyme und Übersetzungen
Commons
Commons: Friedhof – Bilder, Videos und Audiodateien
Wikiquote
Wikiquote: Friedhof – Zitate

Einzelnachweise

  1. Unter diesem Link zu Kölner Bestattungsunternehmen findet sich eine Beispielrechnung für eine Zusammensetzung der Bestattungskosten. Diese beziehen sich auf lokale Kaufkraft und Gebühren.
  2. siehe z. B. Nordelbische Zeitung zu anonymen und Feuerbestattungen sowie Billigbegräbnissen oder WDR-Reportage zum Trend zur Feuerbestattung.
  3. Artikel in der Kölnischen Rundschau: „Turbograb funktioniert nicht“

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Bibliografische Angaben für „Friedhof

Freitag, 4 Januar 2008 Verfasst von francisbacon | 2008-01-04 | , , , , , , | Noch keine Kommentare