Bauernregel Sonnabend 12. Januar 2008
Friedrich Rückert
Nie noch war ein Januar
Nie noch war ein Januar
So gelind,
Und so gar im Februar
Frühlingswind,
Wie in diesem Jahr
Wunderbar
Beide Monde sind.
Nie doch war im Januar
Sturm und Wind,
Nie im Jahr der Februar
Ungelind,
Wie auf immerdar
Mir dies Paar
Unglücksmonde sind.
Auf der Bahr im Januar
Lag mein Kind;
Bringst du dar, o Februar,
Kranzgewind?
Deine Tage klar
Nehmen wahr
Augen thränenblind.
| Quellenangabe | |
| Name | Wert |
| pfad | /rueckert/kindtodt/kindtodt.xml |
| type | poem |
| booktitle | Kindertodtenlieder |
| author | Friedrich Rückert |
| year | 1993 |
| publisher | Insel Verlag |
| address | Frankfurt am Main |
| isbn | 3-458-33245-6 |
| title | Kindertodtenlieder |
| pages | 43-47 |
| created | 19990330 |
| sender | gerd.bouillon@t-online.de |
| firstpub | 1872 |
Bettina von Arnim
Goethes Briefwechsel mit einem Kinde
| Am 12. Januar 1810. | Bettine. |
Goethe an Bettine
Das ist ein liebes, feines Kind, listig wie ein Füchschen, mit einer Glücksbombe fährst Du mir ins Haus, in der Du Deine Ansprüche und gerechte Klagen versteckst. Das schmettert einem denn auch so nieder, daß man gar nicht daran denkt, sich zu rechtfertigen. – Die Weste, innen von weichem Samt, außen glatte Seide, ist nun mein Bußgewand, je behaglicher mir unter diesem wohlgeeigneten Brustlatz wird, je bedrängter ist mein Gewissen, und wie ich gar nach zwei Tagen zufällig in die Westentasche fahre und da das Register meiner Sünden herausziehe, so bin ich denn auch gleich entschlossen, keinen Entschuldigungen für mein langes Schweigen aufzusuchen. Dir selbst aber mache ich es zur Aufgabe, mein Schweigen bei Deinen so überraschenden Mitteilungen auf eine gefällige Weise auszulegen, die Deiner nie versiegenden Liebe, Deiner Treue für Gegenwärtiges und Vergangenes auf verwandte Weise entspricht. Über die »Wahlverwandtschaften« nur dies: der Dichter war bei der Entwickelung dieser herben Geschicke tief bewegt, er hat seinen Teil Schmerzen getragen, schmäle daher nicht mit ihm, daß er auch die Freunde zur Teilnahme auffordert. Da nun so manches Traurige unbeklagt den Tod der Vergangenheit stirbt, so hat sich der Dichter hier die Aufgabe gemacht, in diesem einen erfundnen Geschick wie in einer Grabesurne die Tränen für manches Versäumte zu sammeln. Deine tiefen, aus dem Geist und der Wahrheit entspringende Ansichten gehören jedoch zu den schönsten Opfern, die mich erfreuen, aber niemals stören können, ich bitte daher recht sehr, mit gewissenhafter Treue dergleichen dem Papier zu vertrauen und nicht allenfalls in Wind zu schlagen, wie bei Deinem geistigen Kommers und Überfluß an Gedanken leichtlich zu befahren ist. Lebe wohl und lasse bald wieder von Dir hören.
| Quellenangabe | |
| Name | Wert |
| type | letter |
| booktitle | Goethes Briefwechsel mit einem Kinde |
| author | Bettine von Arnim |
| year | 1984 |
| publisher | Insel Verlag |
| address | Frankfurt am Main |
| isbn | 3-458-32467-4 |
| title | Goethes Briefwechsel mit einem Kinde |
| pages | 5 |
| created | 20000619 |
| sender | gerd.bouillon@t-online.de |
| firstpub | 1835 |
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