Bauernregel Dienstag 15. Januar 2008
Heinrich Heine
Ahnung
Oben, wo die Sterne glühen,
Müssen uns die Freuden blühen,
Die uns unten sind versagt;
In des Todes kalten Armen
Kann das Leben erst erwarmen,
Und das Licht der Nacht enttagt.
| Quellenangabe | |
| Name | Wert |
| author | Projekt Gutenberg-DE |
| title | Heine: Ahnung |
| type | poem |
| author | Heinrich Heine |
| created | 19990928 |
| publisher | Carl Hanser Verlag |
| sender | pom@imsd.uni-mainz.de (Klaus Pommerening) |
| pfad | /heine/nachlese/collection.xml |
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Beschreibung
| Description | Das Grab Heines in Paris,Cimetière de Montmartre |
|---|---|
| Source | own work |
| Date | 21.07.2007 |
| Author | Jessica Kemper |
| Permission (Reusing this image) |
Hugo Ball
Zur Kritik der deutschen Intelligenz
Zweites Kapitel
1
Eine feste Burg ist unser Protestantismus: das ist von nun an das nationale Motto, an dem die Geister scheitern. Eine pseudologische Bußdoktrin grassiert. Eine Selbstverfinsterung, die für tiefe Verworfenheit hält, was den Wohlstand der Sinne fördert, pervertiert die Instinkte, verdirbt den freien Blick, die spontane Erkenntnis von Gut und Böse, die Einsicht ins Equilibre der angebotenen sittlichen Kräfte. [Fußnote] Das ist ein Geschenkt des Augustinerordens, in dessen Geist außer Luther auch Johannes Tauler, Luthers Lehrer in theologicis, wirkte. »Wir sind«, sagte Tauler, »wegen unserer Sünde von Natur Kinder des Zornes und des ewigen Todes und der ewigen Verdammnis. St. Augustinus spricht: ›Der Mensch ist von einer faulen Materie, stinkend und verdorben, ein Klotz und ein faules Holz und Erdreich und das Ende ist der ewige Tod.‹« (Wilhelm Preger, »Geschichte der Deutschen Mystik im Mittelalter«, Leipzig 1893, III. Teil, S. 177.)
Die Nation hat längst das Lachen verlernt. Grabesoden und Nekrologien, Bußtagsmusik, Choräle, Kantaten bekämpfen den leidigen Teufel der »Sünde« und Sinnlichkeit, und die betrübten Lebensläufe der deutschen Musikanten, die Matthisons »Ehrenpforte« uns überliefert hat, zeugen von den Kümmerlichkeiten und Nachwehen des Dreißigjährigen Krieges. »Man will wissen«, sagt Lichtenberg, »daß im ganzen Lande seit fünfhundert Jahren niemand vor Freuden gestorben wäre.« [Fußnote] Georg Christoph Lichtenberg, »Vermischte Schriften«, Göttingen 1844, Bd. I., S. 252.
Der Pietismus regiert, der Kanzelredner, die Salbaderei. Der Pietismus leitet die protestantische Orthodoxie hinüber in protestantische Aufklärung. Philipp Jacob Spener, der Großvater des Pietismus, hat aus Erbaulichkeitsgründen eine Abneigung gegen das streng wissenschaftliche Denken. August Hermann Francke ist im Unterschied von Spener ein »Herren- und Tatenmensch«, rücksichtslos als Agitator, unverträglich als Kollege, unversöhnlich als Feind, herrschsüchtig als Organisator. Ein pietistischer Übermensch, so schildert ihn sein Chronist. Es ist die Zeit der Bibelkränzchen und Senfkornorden, des philadelphischen Konventikelwesens. Die Bibel gilt als vollendetes System der Weissagung und im Jahre 1836 soll die Welt untergehen. Was kann auch Besseres geschehen? Niemand lacht diese Leute aus; kein Scarron schreibt ihren Roman, kein Voltaire rettet für Deutschland ein Echo des Lachens französischer Höfe. In der Wissenschaft wird mit Rabbinerverstand um die theologische Intelligenz gestritten. [Fußnote] Die ersten ernsthaften Elemente einer Bibelkritik rühren, wie billig, von einem Juden, von Baruch Spinoza her.
Die kommerziellen Klassen hatten die Aufklärung in die großen Hafen- und Handelsstädte Europas gebracht und mit ihr die Toleranz. Man tolerierte die reisenden Juden und tolerierte die Refugiés aus den Glaubenskämpfen, weil sie Geld und Beziehungen brachten. Bayle wie Montaigne und Descartes waren toleriert, weil sie Rationalisten waren und Rationalisten waren sie, weil sie zweifelten. Das ist die Philosophie des frühen Frankreich. Descartes insonderheit machte der Scholastik den Kampf und entwickelte das ganze Wissen aus dem Bewußtsein. Sein »cogito ergo sum« wurde der egoistische Leitsatz des philosophischen Individualismus, der in Deutschland schließlich zum Gelehrtenabsolutismus führte und wenn auch ein so heller und vernünftiger Kopf wie Lichtenberg dem entgegenhielt: » es denkt, es blitzt«, [Fußnote] Lichtenberg, »Vermischte Schriften«, Bd. I, S. 99: » Es denkt, sollte man sagen, so wie man sagt: es blitzt. Zu sagen cogito ist schon zu viel, sobald man es durch Ich denke übersetzt. Das Ich anzunehmen, zu postulieren, ist praktisches Bedürfnis.«
so vermochte das doch nicht zu verhindern, daß der Individualismus, gestützt auf Luthers obstinate Widersetzlichkeit die Ideen nur aus dem »Ich« auch dann noch holte, als die Französische Revolution längst mit Riesenlettern an den europäischen Himmel das Wort »Brüderlichkeit« geschrieben hatte. (Siehe Fichte, das große Ich von Osmannstedt, wie Schiller ihn nannte.)
Kam der Zweifel aus Frankreich, so kam die neue Moral aus England. Borgese bemerkt sehr richtig, man könne des Pangermanisten Paul Rohrbach »Deutsche Idee in der Welt« ruhig umändern in »die englische Idee in Deutschland« [Fußnote] G. A. Borgese, »Italia e Germania«, Milano 19 und Nicolai hat in seinem vielberühmten Buche »Die Biologie des Krieges« neuerdings darauf hingewiesen, in wievielen Hauptpunkten Kant und die Deutschen von der englischen Moral beeinflußt wurden, in wievielen andern sie sich ihr leider entzogen. [Fußnote] F. G. Nicolai, »Die Biologie des Krieges«, Betrachtungen eines deutschen Naturforschers, Zürich 1917, S. 343 ff.
Man könnte aber noch weitergehen. Nicht nur direkt war Kant von Locke und Hume geführt; auf dem Wege über Rousseau, der die Idee seines Gesellschaftsvertrages England verdankt, berührten ihn auch die Ideen Sidneys. Und nächst Kant sind die beiden größten deutschen Philosophen jener Zeit in die englische Schule gegangen: Franz von Baader, die flammende Pyramide der deutschen Philosophie, und Georg Christoph Lichtenberg, ihr einziger Humorist. Beide verlebten wichtigste Jahre ihrer intellektuellen Entwicklung in England. [Fußnote] Den entscheidenden Einfluß Humes auf Feuerbachs Ethik (Humanismus) und durch ihn auf Marx hat Th. G. Masaryk nachgewiesen (»Die philosophischen und soziologischen Grundlagen des Marxismus«, Wien 1899, S. 35 ff.).
Die aber zuerst eine neue Wirklichkeit aufzubauen versuchten nach dem moralischen Chaos, in dem Ludwig XIV. die Welt hinterließ, waren Franzosen: Rousseau und Voltaire.
In Deutschland wurde noch um die theologische Metaphysik gestritten zu einem Zeitpunkt, da englische Philosophen schon alle Moral aus den Leistungen und Taten ableiteten, die die Gesellschaft fördern; [Fußnote] Das ist der Sinn der in Deutschland von Kriegsleuten wie Sombart noch heute verlästerten englischen »Nützlichkeitsphilosophie« als in Frankreich Rousseau die gütigen Instinkte zu erlösen und Voltaire den religiösen Fanatismus zu bezwingen versuchte. Nicolai zeigte an einem fiktiven Gespräch zwischen dem englischen Botschafter Goschen und dem deutschen Reichskanzler Bethmann-Hollweg, wie 1914 sich englische »Nützlichkeitsphilosophie« und wie sich der »kategorische Imperativ« bewährten: [Fußnote] »Die Biologie des Krieges«, S. 350 f. Der deutsche Generalstab brach die belgische Neutralität, das englische Volk aber fühlte sich zum Schutz eines Vertrages verpflichtet, der Belgiens Neutralität garantierte. Die Barockkonstruktionen weltfremder deutscher Universitätsprofessoren hielten nicht stand. Sie hatten das Volk nicht erreicht, das von Pfaffen und Fürsten zerschmettert war. Das moralische Gesetz in der Brust, das sich dem Sternenhimmel verwandt fühlte, vergaß seine nächste Umgebung, und die »moralische Weltordnung«, auf die der deutsche Professor so stolz ist, existierte nur für ihn.
Kants Leistung ist groß und unsterblich. Er hat nicht Gott geköpft, wie Heine voreilig meinte, [Fußnote] Heinrich Heine, »Zur Geschichte der Religion und Philosophie in Deutschland«, Leipzig o. J.
wohl aber den Pietismus. Er verwies die Mystifikation aus dem Reich der Vernunft, und wenn einer seiner frühesten Biographen [Fußnote] Ludwig Ernst Borowsky, kgl. preußischer Feldprediger und Kirchenrat. Die erste Skizze seiner Biographie stammt aus dem Jahre 179 auch meint, Kant habe die jungen Theologen gelehrt, der »falschen, windigen, viel prahlenden und nichts fruchtenden Aufklärung« auszuweichen [Fußnote] Immanuel Kant, »Sein Leben in Darstellungen von Zeitgenossen«. Deutsche Bibliothek, Berlin, S. 41 (indem er jene Trennung zwischen Jenseits und Diesseits in der Metaphysik vornahm), so blieb das doch ein Irrtum. Gleichwohl war Kant auch nicht der Scharfrichter, den Heine hinter ihm vermutete. Seine Strenge traf mehr die Methode als ihren Gegenstand. Er verflüchtigte Gott zur Idee, und Atheisten wie Hegel, Schopenhauer und Nietzsche konnten sich ebensogut auf ihn berufen, wie die Theologie, die Kant in der »Kritik der reinen Vernunft« erst entthronte, in der »Kritik der praktischen Vernunft« aber nach ihrer Degradierung und Scheidung von den Wissenschaften wieder einsetzte.
Die Auffassung Borowskys, der zu den ältesten akademischen Schülern Kants gehörte, beweist immerhin die Vieldeutigkeit sogar unserer anerkanntesten Philosophie. Man würde die deutsche Philosophie in ihren Vorzügen und Schwächen ganz falsch bewerten, wollte man nicht beachten, aus welchen politischen Zuständen sie geboren ist. Wenn Fichte noch 1799 schreiben konnte: [Fußnote] Mitgeteilt von Heine, »Zur Geschichte der Religion und Philosophie«, S. 110. »Vom Departement der Wissenschaften zu Dresden ist bekannt gemacht worden, daß keiner, der sich auf die neue Philosophie lege, befördert werde, oder, wenn er es schon ist, weiterrücken solle. In der Freischule zu Leipzig ist sogar die Rosenmüllersche Aufklärung bedenklich gefunden; Luthers Katechismus ist neuerlich dort wieder eingeführt, und die Lehrer sind von neuem auf die symbolischen Bücher konfirmiert worden. Das wird weitergehen und sich verbreiten«, – wie mag es dann erst unter den preußischen Soldatenkönigen mit der Lehrfreiheit bestellt gewesen sein? In Preußen, von dem Winckelmann 1763 schrieb: »Es schauert mich die Haut vom Wirbel bis zur Zehe, wenn ich an den preußischen Despotismus und den Schinder der Völker denke, welcher das von Natur selbst vermaledeite und mit lyrischem Sand bedeckte Land zum Abscheu der Menschen machen und mit ewigem Fluch beladen wird?« [Fußnote] Brief an Usteri vom 15. Januar 1763, mitgeteilt von Franz Mehring in »Die Lessinglegende. Zur Geschichte und Kritik des preußischen Despotismus und der klassischen Literatur«, Stuttgart 1913.
…
[Das vollständige zweite Kapitel s.u.]
| Quellenangabe | |
| Name | Wert |
| type | tractate |
| booktitle | Zur Kritik der deutschen Intelligenz |
| author | Hugo Ball |
| year | 1991 |
| publisher | Suhrkamp Verlag |
| address | Frankfurt am Main |
| isbn | 3-518-01690-3 |
| title | Zur Kritik der deutschen Intelligenz |
| pages | 03.07.08 |
| created | 19991003 |
| sender | gerd.bouillon@t-online.de |
| firstpub | 1919 |
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Zur Kritik der deutschen Intelligenz
Paulus von Theben
aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie
Meister von Meßkirch:Heiliger Paul Eremit
Paulus von Theben (* 228; † 341), war ein christlicher Heiliger und nach der Legende erster ägyptischer Einsiedler und Wüstenvater. Sein Festtag ist der 10. (katholisch) bzw. der 15. Januar (orthodox). Er ist Schutzheiliger der Korb- und Mattenflechter.
Inhaltsverzeichnis |
Leben
Das Leben des Heiligen Paulus von Theben (koptisch Amba Bola) wird überliefert in der um 376 von Hieronymus (um 347 – 420) verfassten Vita Pauli primi eremitae. Demnach wurde Paulus im Jahr 228 als Sohn wohlhabender christlicher Eltern in Ägypten geboren und ging nach dem Tod der Eltern und Erbstreitigkeiten mit seinem Bruder während der Christenverfolgungen unter Decius (249/50) als erster christlicher Einsiedler und Asket (Anachoret) in die ägyptische Wüste. Dort lebte er jahrzehntelang alleine, von einer Quelle, einer Palme und einem Raben, der ihm täglich ein halbes Brot brachte, versorgt. Als er 113 Jahre alt war, wurde er kurz vor seinem Tod, von dem damals 90-jährigen Antonius (Antonius der Große, 251 – 356) aufgesucht, dem in einer Vision die Existenz dieses benachbarten älteren Einsiedler offenbart wurde, der ihm auf dem Weg in die Wüste vorausging. Nach dem Tod des Paulus habe Antonius mit Hilfe zweier Löwen ein Grab für den heiligen Paulus ausgehoben.
Die historische Existenz des Paulus von Theben ist umstritten, man geht davon aus, dass Hieronymus mit seiner Geschichte daran gelegen war, sein literarisches Talent herauszustellen und der Vita Antonii des Athanasius (um 300 -373) einen Gegenentwurf für die christliche Heiligenlegende zur Seite zu stellen.
Wirkung
In der bildenden Kunst wird oft das Treffen der beiden Ur-Einsiedler dargestellt, z. B. auf einer Tafel des Isenheimer Altars des Mathias Grünewald (um 1470/75 – 1528) in Colmar (Musée d´Unterlinden) oder auf einem Gemälde von Diego Velazquez (1599–1660) in Madrid (Museo del Prado).
Für den Paulustag gilt in Deutschland die Wetterregel:
- Ist der Paulustag gelinde, gibt’s im Frühjahr raue Winde.
Zusätzlich gilt die Bauernregel:
- An Paulus Einsiedel Sonnenschein, bringt viel Korn und Wein.
Literatur
- Hieronymus: Vita Pauli primi eremitae., deutsche Übersetzung von Manfred Fuhrmann, in: Christen in der Wüste., Artemis ,Zürich und München 1983.
- St. Swidzinski: Der Heilige Paulus von Theben. in: Auf den Spuren des heiligen Antonius., Kommission Verlag Memminger Zeitung, 1994.
Weblinks
| Personendaten | |
|---|---|
| NAME | Paulus von Theben |
| KURZBESCHREIBUNG | christlicher Heiliger, erster ägyptischer Einsiedler |
| GEBURTSDATUM | 228 |
| STERBEDATUM | 341 |
Andere Sprachen
- Diese Seite wurde zuletzt am 8. Januar 2008 um 14:58 Uhr geändert.
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Bibliografische Angaben für „Paulus von Theben“
- Seitentitel: Paulus von Theben
- Herausgeber: Wikipedia, Die freie Enzyklopädie.
- Autor(en): Wikipedia-Autoren, siehe Versionsgeschichte
- Datum der letzten Bearbeitung: 8. Januar 2008, 13:58 UTC
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- Datum des Abrufs: 10. Januar 2008, 09:22 UTC

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