Bauernregeln

Volkssprüche über das Wetter

Bauernregel Sonntag 20. Januar 2008

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Stefan George

Das jahr der Seele

Traurige Tänze

Des erntemondes ungestüme flammen
Verloschen · doch sie wirken in uns beiden ·
Nach kurzer trennung schritten wir zusammen
Am alten flusse mit den neuen leiden.

Zum ersten male strittest du darüber ·
Ich selber konnte dir nicht mehr erklären
Warum die stürm- und wintertage trüber
Warum die frühlingslüfte froher wären.

Du streichest zürnend über deine locken
Da ich dich heute schon so ruhig finde . .
Ich klage fast: sind meine tränen trocken ·
Die tränen fern von Lilia dem kinde ?

Der raum mit sammetblumigen tapeten
- So waren sie zur zeit der ahnin mode -
An meinem arme bist du eingetreten.
Nun reden wir vom guten tode.

Die starren eisesranken an den Scheiben
Entrücken uns den weiten wo wir gingen ·
Des herdes flammen zuckend sich umschlingen ·
Vor ihnen lass uns eine weile bleiben.

- So glaubst du fest dass auch das spiel der musen
Ihm den sie liebten niemals wieder freue -
Und ist das reiche licht in deinem busen
Auch ganz erloschen ? sag es mir in treue !

Es lacht in dem steigenden jahr dir
Der duft aus dem garten noch leis.
Flicht in dem flatternden haar dir
Eppich und ehrenpreis.

Die wehende saat ist wie gold noch ·
Vielleicht nicht so hoch mehr und reich ·
Rosen begrüssen dich hold noch ·
Ward auch ihr glanz etwas bleich.

Verschweigen wir was uns verwehrt ist
Geloben wir glücklich zu sein ·
Wenn auch nicht mehr uns beschert ist
Als noch ein rundgang zu zwein.

Gib ein lied mir wieder
Im klaren tone deiner freudentage -
Du weisst es ja : mir wich der friede
Und meine hand ist zag.

Wo dunkle seelen sinnen
Erscheinen bilder seltne hohe ·
Doch fehlt das leuchtende erinnern ·
Die farbe hell und froh.

Wo sieche seelen reden
Da lindern schmeichelhafte töne
Da ist die stimme tief und edel
Doch nicht zum sang so schön.

Das lied das jener bettler dudelt
Ist wie mein lob das dich vergeblich lädt ·
Ist wie ein bach der fern vom quelle sprudelt
Und den dein mund zu einem trunk verschmäht.

Das lied das jene blinde leiert
Ist wie ein traum den ich nicht recht verstand ·
Ist wie mein blick der nur umschleiert
In deinen blicken nicht erwidrung fand.

Das lied das jene kinder trillern
Ist fühllos wie die worte die du gibst ·
Ist wie der Übergang zu stillern
Gefühlen wie du sie allein noch liebst.

Drei weisen kennt vom dorf der blöde knabe
Die wenn er kommt sich ständig wiederholen :
Die eine wie der väter hauch vom grabe
Die eh sie starben sich dem herrn befohlen.

Die andre hat die tugendhafte weihe
Als ob sie Schwestern die beim spinnrad sassen
Und mägde sängen die in langer reihe
Vor zeiten zogen auf den abendstrassen.

Die dritte droht – Versündigung und rache -
Mit altem dolch in himmel-blauer scheide ·
Mit mancher sippe angestammtem leide ·
Mit bösen Sternen über manchem dache.

Stätte von quälenden lüsten
Wo ihr gestrandet seid -
Lass deine sonnigen küsten ·
Folge dem strengen bescheid !

Mach dass dein ruder erstarke
Langsam ohne gefahr
Schaukelt dann deine barke
Fort mit dem sinkenden jahr.

Nicht vor der eisigen firnen
Drohendem rätsel erschrick
Und zu den ernsten gestirnen
Hebe den suchenden blick !

Die wachen auen lockten wonnesam ·
Im veilchenteppich kam sie an das gitter
Geschmückt wie jährig für den bräutigam
Und dachte sein bis nach dem fest der Schnitter.

Nur eine lerche die im haine schlug
Bemerkte ihr erröten und erschrecken
Und wie in sommer-langer tage zug
Sie sann und welkte bei den eiben-hecken.

Von ihrer schlanken anmut spricht allein
Bei perlenschnüren eine seidne locke
Die eine fromme freundin birgt im schrein . .
Und schlichtes gras mit einem marmorblocke.

Da kaum noch sand im stundenglase läuft
So zieh ihm nach dem wandrer tau-beträuft ·
Die heisse luft verwehte ihn geschwind ·
Den freund der blumen und der Sterne kind ·

Der eines morgens vor dem schnitt der saat
Die hände traurig vor die stirne tat
Und durch wer weiss welch frühen fluch gemahnt
Im heut den lezten jugendtag geahnt ·

Der durch kein sonnenschmeicheln mehr erweicht
Solang er schön war ohne klage leicht
Gleich einem sommervogel überm ried
An jenem tag aus unsren kreisen schied.

Trauervolle nacht!
Schwarze sammetdecke dämpft
Schritte im gemach
Worin die liebe kämpft.

Den tod gab ihr dein wunsch ·
Nun siehst du bleich und stumm
Sie auf der bahre ruhn ·
Es stecken lichter drum.

Die lichter brennen ab ·
Du eilest blind hinaus
Nachdem die liebe starb -
Und weinen schallt im haus.

Wir werden nicht mehr starr und bleich
Den früheren liebeshelden gleich ·
An trübsal waren wir zu reich ·
Wir zucken leis und dulden weich.

Sie hiessen tapfer · hiessen frei
Trotz ihrer lippen manchem schrei ·
Wir litten lang und vielerlei
Doch schweigen müssen wir dabei.

Sie gingen um mit schwert und beil ·
Doch streiten ist nicht unser teil ·
Uns ist der friede nicht mehr feil
Um ihrer guter weh und heil.

Ich weiss du trittst zu mir ins haus
Wie jemand der an leid gewöhnt
Nicht froh ist wo zu spiel und schmaus
Die saite zwischen säulen dröhnt.

Hier schreitet man nicht laut nicht oft ·
Durchs fenster dringt der herbstgeruch
Hier wird ein trost dem der nicht hofft
Und bangem frager milder spruch.

Beim eintritt leis ein händedruck ·
Beim weiterzug vom stillen heim
Ein kuss – und ein bescheidner schmuck
Als gastgeschenk : ein zarter reim.

Dies leid und diese last: zu bannen
Was nah erst war und mein.
Vergebliches die arme spannen
Nach dem was nur mehr schein ·

Dies heilungslose sich betäuben
Mit eitlem nein und kein ·
Dies unbegründete sich sträuben ·
Dies unabwendbar-sein.

Beklemmendes gefühl der schwere
Auf müd gewordner pein ·
Dann dieses dumpfe weh der leere ·
O dies : mit mir allein !

Nicht ist weise bis zur lezten frist
Zu geniessen wo vergängnis ist.
Vögel flogen südwärts an die see ·
Blumen welkend warten auf den schnee.

Wie dein finger scheu die müden flicht!
Andere blumen schenkt dies jahr uns nicht ·
Keine bitte riefe sie herbei ·
Andre bringt vielleicht uns einst ein mai.

Löse meinen arm und bleibe stark ·
Lass mit mir vorm scheidestrahl den park
Eh vom berg der nebel drüber fleucht ·
Schwinden wir eh winter uns verscheucht!

Keins wie dein feines ohr
Merkt was tief innen singt ·
Was noch so schüchtern schwingt
Was halb sich schon verlor.

Keins wie dein festes wort
Sucht so bestimmt den trost
In dem was wir erlost ·
Des wahren friedens hort.

Keins wie dein fromm gemüt
Bespricht so leicht den gram . .
Der eines abends nahm
Was uns im tag geglüht.

Mir ist kein weg zu steil zu weit
Den ich nicht ginge – mein geleit -
Mit dir · uns ängstet keine kluft
Und sühne steht auf jeder gruft.

So kreuzen wir in wehmut nur
Der freudlos grauen aschen flur
Mit ihrem dürren gras und dorn ·
Doch rein von reue rein · von zorn.

Mein feuchtes auge späht nur fern
Nach diesem einen aus der gern
Die harfe reich und wohl gestimmt
Der unsre goldne harfe nimmt.

Die stürme stieben über brache flächen
Und machen heller ahnung voll die runde ·
Da wollen sich erstickte fluren rächen ·
Da zittert seufzen aus dem bergesschlunde.

Es scheint als ob die schrecklich fernen grollen
Doch eine stimme mahnt aus friedensföhren :
Hast du mir ehdem nicht versprechen sollen
Der gräber ruh mit klage nie zu stören !

Ich zog vorbei am winterlichen pfahle
Vor dem wir nie in leerem weinen knieten ·
Ich bat dich nur der bald ihn sieht dem strahle
Des frohen lenzes meinen gruss zu bieten.

Geführt vom sang der leis sich schlang
Dir ward er leicht der ufergang.
Ich sah der höhen dichten rauch
Verjährtes laub und distelstrauch.

Dein auge schweift schon träumerisch
Auf eine erde gabenfrisch ·
Denn dein gedanke flattert fort
Voraus zu einem sichern hort.

Ich frage noch: wer kommt wenn sanft
Die gelbe primel nickt am ranft
Und sich das wasser grün umschilft
Der mir den mai beginnen hilft ?

Entflieht auf leichten kähnen
Berauschten sonnenweiten
Dass immer mildre tränen
Euch eure flucht entgelten.

Seht diesen taumel blonder
Lichtblauer traumgewalten
Und trunkner wonnen sonder
Verzückung sich entfalten.

Dass nicht der süsse schauer
In neues leid euch hülle -
Es sei die stille trauer
Die diesen frühling fülle.

Langsame stunden überm fluss ·
Die welle zischt wie im verdruss
Da von dem feuchten wind gefrischt
Ein schein bald blendet bald verwischt.

Wir standen hand in hand am Strand
Da sah sie ähren in dem sand ·
Sie trat hinzu und brach davon
Und fand auf diesen tag den ton :

Beginnend klang er hell und leicht
Wie von dem ziel das wir erreicht ·
Dann ward er dumpfer als sie sang
Vom fernen glück – wie bang ! wie lang !

Der hügel wo wir wandeln liegt im schatten ·
Indes der drüben noch im lichte webt ·
Der mond auf seinen zarten grünen matten
Nur erst als kleine weisse wolke schwebt.

Die strassen weithin-deutend werden blasser
Den wandrern bietet ein gelispel halt ·
Ist es vom berg ein unsichtbares wasser
Ist es ein vogel der sein schlaflied lallt ?

Der dunkelfalter zwei die sich verfrühten
Verfolgen sich von halm zu halm im scherz . .
Der rain bereitet aus gesträuch und blüten
Den duft des abends für gedämpften schmerz.

Flammende wälder am bergesgrat ·
Schleppende ranken im gelbroten Staat!
Vor ihrem Schlummer in klärender haft
Hebst du die traube mit leuchtendem saft.

Lang eh sie quoll mit dem sonnigen seim
Brachtest du strauss und kranz mit heim
Und du begrüssest den lohnenden herbst
Da du von sommers schätzen erbst.

Ihm ward die frucht zum genuss nicht bestellt
Der sich nicht froh auch den knospen gesellt.
Fragst du ihn so sagt er dir: weil
Man mir nahm mein einzig heil. .

Der abend schwül · der morgen fahl und nüchtern
Sind ewiger Wechsel ihrer trüben reise ·
Sie ganz in tränen ganz in schmerz und schüchtern
Bestimmten die gezogenen geleise.

An hohen toren wo sie eintritt heische
Ist niemand der für ihre treue zeuge
Und keine hand die fleisch von ihrem fleische
Sich bis zu ihr herniederbeuge.

So wird sie bald ergriffen vom getöse
Bald kehrt sie um mit seiner schlimmen beute
Und so wie früher murmelt sie noch heute
Den spruch der nahend sie erlöse.

Ob schwerer nebel in den wäldern hängt:
Du sollst im weiterschreiten drum nicht zaudern
Sprich mit den bleichen bildern ohne schaudern
Schon regen sie sich sacht hinangedrängt.

Wenn gras und furche auf dem pfad versteinen ·
Gehäufter reif die wipfel beugt · versteh
Zu lauschen auf der winterwinde weh
Die mit den welken einsamkeiten weinen.

So hältst du immer wach die müde Stirn
Und gleitest nicht herab von steiler bösche
Ob auch das matt erhellte ziel verlösche
Und über dir das einzige gestirn.

Da vieles wankt und blasst und sinkt und splittert
Erstirbt das lied von dunst und schlaf umflutet
Bis jäher stoss das mürbe laub zerknittert ·
Von ehmals wilde wunde wieder blutet -

Bis plötzlich sonne zuckt aus nassen wettern ·
Ein schwarzer fluss die bleichen felder spreitet
Und seltne donner durch die froste schmettern. .
Es merkt nur in dem zug der grabwärts gleitet

Die fackeln zwischen den geneigten nacken ·
Der klänge dröhnen aus dem trauerprunke
Und sucht ob unter rauhen leides schlacken
Noch glimme ewig klarer freude funke.

Zu traurigem behuf
Erweckte stürm die flur ·
Aus finstrem tag entfuhr
Ein todesvogel-ruf.

Kaum zeigt der hügel rund
Der grauen stunden flucht ·
Ein baum tiefhängend sucht
Nach halmen überm grund.

Schon taucht die wüstenei
Zurück zum dunklen Schacht
Ein ton von qual und nacht
Bricht wie ein lezter schrei.

Ob deine augen dich trogen
Durch fallender äste hauf ?
Treiben die kämpfenden wogen
Den strom hinauf ?

Du jagest nach und sie steigen
Von fremden kräften erfasst ·
Wirbelndem rieselndem reigen
Folgt die begehrende hast.

Hüte dich ! führe nicht weiter
Das spiel mit schwerem kauf -
Ziehen nicht deine begleiter
Schon ihren alten lauf ?

Ihr tratet zu dem herde
Wo alle glut verstarb ·
Licht war nur an der erde
Vom monde leichenfarb.

Ihr tauchtet in die aschen
Die bleichen finger ein
Mit suchen tasten haschen -
Wird es noch einmal schein !

Seht was mit trostgebärde
Der mond euch rät:
Tretet weg vom herde ·
Es ist worden spät.

Wie in der gruft die alte
Lebendige ampel glüht!
Wie Ihr karfunkel sprüht
Um schauernde basalte !

Vom runden fenster droben
Entfliesst der ganze glanz ·
Von feuriger monstranz
Mit goldumreiften globen

Und einem weissen lamme -
Und wenn die ampel glüht
Und wenn ihr kleinod sprüht
Ist es von eigner flamme ?

Die jagd hat sich verzogen ·
Du bleibst mit trägem bogen ·
Blutspuren unter tannen -
Horch welch ein laut! von wannen ?

Das ist kein lärm der rüden ·
Kein schrei der flüchtig-müden ·
Du lauschst am grund beklommen ·
Sollst du entgegenkommen ?

Quellenangabe
Name Wert
type poem
author Stefan George
title Das jahr der Seele
sender guntergrimm@t-online.de
corrector hille@abc.de
created 20030809
firstpub 1897
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Erstes Kapitel

Wenn es allen auf die äußeren Umstände oder was man so den Zubehör nennt, ankäme, so wäre dieses eines von den hellsten Büchern in dieser Welt und würde wie ein buntfarbigster Lichtblitz über den dunkeln Ozean von Druckerschwärze fallen, der jedes Leben jetzt doch ohne alle Frage mehr oder weniger umflutet, wenn er es nicht gar ganz überschwemmt. Und welch ein süß begehrens- und lesenswert Buch würde dies werden können, wenn wir es nur für die jungen Kinder in dieser Welt zu schreiben hätten! Da ist kein Sack, welchen der gute Knecht Rupert, der Pelzmärtel und Weihnachtsmann mit sich schleppen kann, so groß und umfangreich, daß er ihn nicht unter dem Dache, unter welches wir jetzt die alten Kinder dieser Erde zu führen gedenken, bis zum Rande vollstopfen konnte, mit allen Wundern in Zucker für die Feier jener Nacht, in der einmal der Ruf erklang: Friede auf Erden und den Menschen ein Wohlgefallen!

Pelzmann und Kompanie klingt heimlich und warm genug, die Firma steht aber nicht so angeschrieben in goldenen Lettern über dem Eingangstor des Geschäftes, denn sie hat‹s wirklich nicht nötig. Wenn sich je eine Fabrik eine gute Stätte auf den Zungen der Unmündigen, im Munde der Mündigen zubereitet hatte, so war es diese. Tausende und aber Tausende von leckenden, schmatzenden, zuckerschaum- und schokoladebekrusteten Kindermäulchen verkünden und verbreiten seit mehreren Menschenaltern ihr Lob und ihren Preis; doch, wie gesagt, nicht allein die Kleinen, sondern auch die Großen halten viel von Pelzmann und Kompanie, sowohl an der Börse wie an den Frühstückstischen. Fassen wir uns kurz, so bedeuten die Worte Pelzmann und Kompanie eine der größesten und wohlberüchtigtsten Schokoladen- und Konfitürenfabriken Deutschlands.

Was nun die Kompanie anbetrifft, die auch heute noch an den Namen der Inhaber hängt, so hat sie freilich nicht das geringste mehr zu bedeuten. Ein sicherer Herr J. J. Doppelmeier gab vor langen Jahren zum Beginn des Geschäftes weniger seine Tätigkeit und sein kaufmännisches Wissen als ein nicht unbeträchtliches Kapital her. Doch beide, sowohl der stille Kompagnon wie das lautklingende Kapital, sind längst in den Büchern gestrichen, und gegenwärtig –

Doch das wird sich ja nun finden, oder besser, die Leser werden allgemach selber herausfinden, wer gegenwärtig Pelzmann und Kompanie sind!

Von sehr süßen Sachen könnte die Rede sein, und an einem lieblichen Trost durch das Ganze hin und an ein paar beruhigenden Worten, und zwar aus einem Kindermunde zum Schluß soll‹s auch nicht fehlen; aber vor einem sauersüßen Anfang stehen wir und können nichts dafür – wie immer.

Am dreizehnten Februar feiern heuer die Oldenburger und die Meininger ihren Bußtag, am siebenundzwanzigsten desselbigen Monats die aus dem Königreiche Sachsen. Am sechsundzwanzigsten März begehen ihn Sachsen-Altenburg, Gotha und Hannover, am einundzwanzigsten April die Preußen und die Hamburger, am zweiundzwanzigsten September die Bremer oder Bremenser und am zwanzigsten Oktober die Hannoveraner zum zweitenmal. Am sechzehnten November sitzen die Braunschweiger im Sack und in der Aschen, am neunzehnten desselbigen Mondes setzen sich die Sachsen ebenfalls zum zweiten Male hinein und sicherlich nicht, ohne ihre Gründe zu haben. Am dritten Dezember schlagen sich die Thüringer im allgemeinen an ihre Brüste und, weil sie sich selber doch am besten kennen, an desselbigen Monden Fünfzehntem, weiß Gott, die Hannoveraner zum dritten Mal; aber – am Tage Fabians und Sebastians, ganz vernünftigerweise an dem Tage, an welchem der Saft wieder in die Bäume schießen soll und welchen sehr seltsamerweise kein deutscher Volksstamm oder angestammter Bruchteil des deutschen Volkes sich zum In-sich-Gehen ausgesucht hatte, ging die Buße Herrn Sebastian Pelzmann an. Am zwanzigsten Januar 187* ging Herr Sebastian wenn nicht schon in sich, so doch seinem wirklichen Soll und Haben im Leben mit außergewöhnlichem Unbehagen näher und fragte einen Doktor der Medizin dabei um Rat, welches letztere der Menschheit an ihren Buß- und Beichttagen nicht selten wohl anzuraten wäre.

Der Schnee lag hoch, und es hatte bis in die Dämmerung hinein geschneit. Dann war es klar geworden, und nunmehr glitzerten die Sterne herrlich, aber gleichgültig bei acht bis neun Grad Kälte auf die weißen Dächer der Stadt hernieder. Auf wie manche Bußnächte der armen kurzlebigen Menschen haben diese ewigen Sterne auch schon herabgesehen im Sommer wie im Winter, bis es zwölf schlug, ein neuer Tag kam und alles beim alten fand, allen Reuetränen, Seufzern und guten Vorsätzen zum Trotze! Wie oft haben sie schon am zwanzigsten Januar, am Tage Fabians und Sebastians, den Saft von neuem in die Bäume steigen sehen auf einem ihresgleichen, nämlich auf diesem, gleich ihnen selber durch die ewige Finsternis schimmernden Sterne – Erde genannt! Das ›Tout comme chez nous‹ wird da eben nicht minder am Platze sein wie – anderswo!

Wir befinden uns in dem Speisezimmer eines wohlhabenden Mannes, und daß bei diesem wohlhabenden Manne soeben zu Nacht gespeist worden war, ließ sich auch nicht verkennen. Es ist nicht immer der Beichtstuhl, wo dem Menschen das Bedürfnis kommt, einmal wirklich wahr über sich zu werden und sich zu geben, wie er ist. Gut Essen und Trinken tut oft nicht weniger dazu, und die Beichtväter und barmherzigen Brüder tragen nicht immer den Chorrock, die härene Kutte und den Strick um den Leib, sondern ziehen gottlob nicht selten die Serviette unterm Kinn weg und legen sie sanft auf den Stuhl nebenan mit einem:

»Nur weiter. Immer die alte Geschichte! Wohl, ich höre, ich merk‹, ich verstehe!«

Es gab nun wohl keine zwei größeren Gegensätze als die, welche sich in den beiden Männern ausprägten, die hier eben ihr Abendessen eingenommen hatten miteinander und die wir hiermit die Ehre haben unseren Lesern vorzustellen –

Herr Medizinalrat und Hofmedikus Baumsteiger, Leibarzt Ihrer Hoheit der Prinzeß Gabriele Angelika – Herr Sebastian Pelzmann, jüngerer Chef der berühmten Firma Pelzmann und Kompanie! Ersterer als Wirt, letzterer als Gast. Beide über die Fünfzig hinaus; eine Zahl, über die sich der erstere jedoch weggekugelt zu haben schien, während der andere sich unbedingt durch sie gezwängt hatte, um dünn genug auf der Schattenseite dieser bedenklichen Lebenszeitscheide zum Vorschein zu kommen und zum Exempel in diesem Moment unruhigen Schrittes im Zimmer auf und ab zu laufen, während der Tischgenosse sich nur etwas behaglicher in seinem Sessel zurückgelehnt hatte, zur Seite auf dem Tische in einem Zigarrenkistchen mit dem feinen Gefühl des Weisen tastete und hier, wie meistens überall, in Beziehung auf sein Wohlsein das Richtige traf.

»Willst du dich wirklich nicht wieder setzen, lieber Pelzmann? Ich versichere dich, du besserst weder in dir noch um dich das geringste durch dieses spasmodische und wirklich bis jetzt noch ziemlich überflüssige Gezappel. Als einen Spasmophilos habe ich dich freilich von jeher im Behaglichen wie im Unbehaglichen gekannt. Also – nur weiter, und rede dich aus. Nicht tot zu kriegen!«

»Ich bitte dich, laß mich!« rief der andere. »Ich spreche wahrhaftig von diesen Dingen immer noch ruhiger an eine Windfahne gebunden wie auf den weichsten Kissen, die du mir unterschieben könntest. Ich bin ein nervöser Narr und bin es immer gewesen. Was ist das nun, wenn einem Temperament wie dem meinigen von euch Vernünftlern geraten wird, die Zeiten walten zu lassen, um Ruhe zu bekommen? Eine erkleckliche Zahl von Jahren habe ich doch nun wohl allgemach um mich aufgebaut, aber welch inneres Behagen und Genießen schützt das? Lächerlich! – Es war eben dein altes Vergnügen, einen neuen Namen für mich zu erfinden und deine ewige Redensart dranzuhängen. So – kriege mich tot in dieser Hinsicht, und ich werde dir danken wie nie für ein ander Rezept. Eine Mauer! Wahrhaftig, eine schöne, feste Mauer baut die Zeit um mich auf. Ein Mückenflügel wirft sie um! der jämmerlichste Tagesverdruß im Geschäft sie über den Haufen! – Da rede ich zu dir wie zu einem Beichtiger, weil du mir wie gewöhnlich einen guten Wein vorgesetzt hast und weil – weil – wir aneinander gewöhnt sind und du mich kennst; – weil – du weißt, wer ich bin und wie ich mein Leben geführt habe – führen mußte, und was alles um euere abgeschmackte Mauer von behaglichem An-sich-kommen-Lassen herumliegt. Alter Freund, deine Weinkarte war wirklich tadellos, und ich beichte dir: Ich hatte auf deine Mauer gerechnet und mich für allen späteren Komfort darauf verlassen, und nun – da ist der Mückenflügel mit seinem Wehen! Um des Himmels willen, Baumsteiger, was soll ich mit dem Mädchen anfangen? wie wird dies Kind mir meine Existenz auf den Kopf stellen? Eine Welt von Verwirrung dringt da über euere abgeschmackte Mauer auf mich ein, und als ob ich der Narren nicht schon genug im Hause hätte, drängt jetzt auch das auf mich los. Ich habe mich wenigstens immer gegeben, wie ich bin; und so sage ich es ganz offen, Baumsteiger, ich wollte, diese Kreatur wäre geblieben, wo der Pfeffer wächst.«

»Der Kakao, willst du sagen«, warf der Hofmedikus ein.

»Und meinem verehrten Herrn Bruder habe ich selbstverständlich auch für dies Vergnügen, zum größten Teil wenigstens, zu danken. Oh, hätte ich nur eine Ahnung davon gehabt, in welcher Art die Korrespondenz da die letzten Jahre hinüber und herüber hinter meinem Rücken geführt worden ist!«

»Hm«, brummte Baumsteiger, »das muß man euch lassen: ein hartköpfiges und damit zuweilen auch mitten im Weichen, ja Breiigen und Fließenden sonderbar steif hinstehendes Geschlecht seid ihr, ihr Pelzmänner. Ja, ja, der brave Melancholikus und Attrappenonkel hat doch auch seinen Willen und weiß ihn immer noch von seinem Hinterhaus aus durchzusetzen. Der muntere, vergnügte Luftflieger, der Lorenz, hatte sich deiner brüderlichen Zuneigung nie in sehr hohem Grade zu erfreuen; aber diese energische Art und Weise, wie du deine Abneigung nunmehr auf sein Kind überträgst, hat in der Tat etwas Imponierendes. Andere, weniger steifnackige Burschen würden es wenigstens erst abwarten, wie die Kleine ausfällt; ich zum Exempel, der ich doch auch ein Ziemliches auf komfortable Lebensgewohnheiten halte und mir nicht gern meine Kreise in dieser Beziehung verstören lasse.«

»Ja du!« rief der Fabrikant und warf sich jetzt endlich wieder auf den Sessel hin, von dem er vorhin aufgesprungen war, um seiner verdrießlichen Stimmung freiern Spielraum nach außen zu verschaffen. »Wer hat dich denn je in deinem Leben so gestört und aufgehalten, wie ich es alle Zeit, so lange ich denken kann, durch meine Verwandtschaft – lebende und tote – wurde? Es ist doch wahrhaftig kein Vergnügen, in einer Familie von lauter Phantasten den einzigen klaren, vernünftigen Kopf auf den Schultern zu tragen und bei jedem Schritte vorwärts erst eine burleske Hanswurstiade oder sentimentale Simpelei aus dem Wege räumen zu müssen! Wer hat dessenungeachtet das Haus Pelzmann und Kompanie wieder hingestellt, wie es heute steht und hoffentlich, während ich lebe, stehen bleiben wird? Ich, ich allein! – Und wer hat stets sein möglichstes getan, es zu ruinieren? Meine Herren Brüder, der Fabian wie der Lorenz; und ein jeder von ihnen auf seine besondere Weise, als ob es nicht schon an einer genug und übergenug wäre!«

»Richtig! Sie verließen sich eben auch darauf, daß das Haus Pelzmann nicht tot zu kriegen sei, und so nahmen sie es eben auch für das, als was es so vielen anderen Kindern und sonstigen naschhaften Sachverständigen gilt. Nämlich für die größeste und wundervollste Weihnachtspuppen- und -kuchenbude der Welt. Sie hatten Vergnügen an eueren Süßigkeiten als solchen und waren ziemlich schlechte Rechenmeister, Buchführer und Bilanzzieher, der arme selige Lorenz sowohl wie mein ganz spezieller Freund, unser Attrappenonkel, der am liebsten selber an jedem Tage im Jahre als Weihnachtsmann mit dem Sacke umginge und eure angenehmen Fabrikate gratis an das Geschlecht Adams und Evas austeilte. Schade, daß der Mann nicht Buchhändler geworden ist! Der würde die schöne deutsche Literatur endlich auf den Strumpf gebracht haben.«

»Und sich in die Konkursliste und an den Bettelstab. Ich bitte dich, Baumsteiger, ärgere du mich nicht auch jetzt noch mit dem Narren, dem Fabian! Dies Übel bin ich gewohnt, wie der Mensch ja auch ein hölzern Bein allgemach gewohnt wird, und es ist mir wenigstens gelungen, diese Imbezillität so unschädlich als möglich zu machen. Bleiben wir bei dem Lorenz oder vielmehr seiner Hinterlassenschaft. Bei allem, was sich –«

»Unter Debet und Kredit eintragen läßt, was soll ich mit dieser Hinterlassenschaft anfangen? Nicht wahr, so heißt die Klemme, in der wir festzusitzen glauben?« fragte Hofmedikus Baumsteiger mit einem höchst eigentümlichen und jedenfalls sehr klugen und vielsagenden Blick auf seinen Gast. »Hm, der Attrappenonkel – «

»Eine Deutsch-Holländerin!« rief Herr Sebastian Pelzmann, auf nichts achtend ringsumher, nur mit sich selber und mit dem Anfang seiner Buße an diesem Abend des Tages Fabian und Sebastian, wo – der Saft wieder in die Bäume geht, beschäftigt.

»Gar nicht tot zu kriegen!« sagte Baumsteiger. »Fünfzehn wundervolle tropische, exotische Mädchenfrühlinge alt, alter Kenner!«

»Jawohl! Auf der Insel Sumatra geboren und wahrscheinlich annähernd so alt, wie du angibst. Jawohl, nette tropische Zustände wird die exotische Pflanze im Hause zur Blüte bringen!«

»Solltest du wirklich nicht dem Onkel Fabian, der sie sich, wie du sagst, heimtückischerweise von seinem Hinterhause aus hinter deinem Rücken verschrieben hat, einfach die Verantwortlichkeit für alles überlassen können?«

Der Onkel Sebastian wehrte mit beiden Händen die Möglichkeit hiervon in einer so energischen Weise ab, daß er fast das Gleichgewicht auf seinem Stuhle verlor.

»Was würde aus dem Hause Pelzmann und Kompanie werden, wenn ich dem nur für acht Tage die Verantwortlichkeit für etwas anderes als die Modellkammer allein überließe? Aus einem Narrenhause ein Tollhaus! O liebster Freund, wer verteilt diese Nerven in dieser nichtsnutzigen Welt? Du bist mein Schulgenosse, mein Hausarzt, und ich rede gegenwärtig zu dir wie zu einem Beichtvater, und es scheint dir in deiner philosophischen Gelassenheit nur ein Nachtischbehagen mehr zu sein, mir gleichfalls noch auf die Nerven zu fallen. So seid ihr aber allesamt, ihr gemütlichen Herren, die ihr es in eurem stoischen Behagen nie zugeben könnt, daß ihr euch wohl in eurer Haut fühlt auf diesem widerwärtigen, langweiligen, abstehenden Erdenball.«

Ein Diener trat in diesem Augenblick herein und brachte ein Billett des Inhalts:

»Bester Medizinalrat, wir bitten dringendst!!!

Ihre
Fredegunde Gräfin zum Stuhle,
geb. Freiin von Raschlauffen.«

Von philosophischer Gelassenheit war nach Einsichtnahme der zierlichen Schrift an dem Medizinalrat, Hofmedikus und Leibarzt Ihrer Hoheit der Prinzeß Gabriele Angelika, Dr. med. Baumsteiger, nicht das mindeste mehr zu bemerken. Er wartete es kaum ab, daß sich die Tür wieder hinter seinem Diener geschlossen hatte, um in höchst unstoischer Weise loszubrechen.

»Da!« ächzte er, den erlauchten Hülferuf dem Gastfreunde mehr hinschleudernd als zureichend. »Der Satan hole die alten Weiber! Na, nicht wahr, wir saßen hier ja wohl ganz behaglich? – Wohl in meiner Haut? Du lieber Himmel! – Jawohl, kriege du das mal tot! Den Magen verdirbt das sich und zwar ganz speziell an euren nichtsnutzigen Geschäftskünsten und Präparaten alle Augenblicke. Leibarzt bin ich da zu aller sonstigen Plage und frage dich, mon cher, ob es da noch viel zärtlicher Verwandtschafts- und Freundschaftsbeziehungen bedarf, um mich tagtäglich dahin zu kriegen, mich und mein Dasein auf deinem ›abstehenden‹ Erdball zu allen Teufeln zu wünschen.«

Er zog die Glocke:

»Anspannen, Georg! – Dich, Pelzmann, werde ich vor deiner Haustür absetzen. Schade darum! Du gerietest mir in der Tat allgemach in eine psychologisch und physiologisch ungemein interessante Stimmung. Ich hätte gern noch ein paar ruhige Minuten länger deinen Reueanwandlungen gegenüber sowohl als dein Mitmensch wie dein Hausarzt den innigen Anteil nehmenden Beichtiger agiert.«

»Reueanwandlungen?« murrte Herr Sebastian. »Dummes Zeug! – Körperlich verstimmt fühle ich mich, und somit seit einiger Zeit in der Laune, in verlorenen Momenten für allerlei Lebenserfahrnisse auch einmal nach eurer philosophischen Methode nach dem Wie, dem Warum und dem Wozu zu fragen. Diese Störung eben kommt mir übrigens ganz recht, den Platz in deinem Wagen nehme ich an, und – wenn es dir gefällig ist, reden wir unterwegs von anderen Dingen.«

Hofmedikus Baumsteiger warf noch einmal einen verstohlenen Blick auf seinen Gast, und dieser Blick tut uns wiederum zur Evidenz dar, daß der Mann kein geringer Seelenkundiger, kein unfeines Menschenkind und – seit langer Zeit nicht nur der Hausarzt, sondern auch der Hausfreund bei Pelzmann und Kompanie und letzteres nicht nur im Vorderhause, sondern auch im Hinterhause war.

Quellenangabe
Name Wert
type narrative
author Raabe
title Fabian und Sebastian
sender anitagerber@gmx.de
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© Projekt Gutenberg

Fabianus

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Der heilige Fabian oder Fabianus, nach einer Quelle Flavius (* vor 200 in Rom; † 20. Januar 250 in Rom), Bischof und Märtyrer, wurde im Januar 236 zum Bischof von Rom gewählt und am 10. Januar 236, nach siebentägiger Sedisvakanz als Nachfolger von Anterus inthronisiert. Sein Name bedeutet: aus dem Geschlecht der Fabier (latein.).

Inhaltsverzeichnis

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Leben

Eusebius von Caesarea berichtet, wie die Christen, die sich in Rom versammelt hatten, um einen neuen Bischof zu wählen, über dem Haupte Fabians eine Taube leuchten sahen. Fabian, ein Fremder in der Stadt, wurde dadurch für diese Würde erwählt und zum Bischof ernannt, obwohl es zahlreiche andere, starke Kandidaten für den vakanten Stuhl gab. Fabian starb als Märtyrer während den Verfolgungen Kaisers Trajanus Decius am 20. Januar 250. Er wurde in der Calixtus-Katakombe in Rom bestattet. Sein Sarkophag wurde 1915 entdeckt.

Auch wenn es wenig bestätigte Quellen aus jener Zeit gibt, gibt es doch genug Hinweise darauf, dass Fabianus Episkopat große Bedeutung für die Geschichte der frühen Kirche hatte. Er soll die Kirche neu organisiert und zahlreiche Gemeinden im heutigen Frankreich gegründet haben.

Er stand in Glaubensfragen mit Origenes, dem großen Kirchenlehrer des Ostens, in Verbindung. Nach der Überlieferung teilte er Rom in sieben Diakonatsbezirke mit 7 Diakonen und 46 Presbytern ein: es ist die früheste Grundlage der späteren Kardinalstitelkirchen, wie sie heute bestehen.

Schutzpatron

Der heilige Fabian ist zusammen mit dem heiligen Sebastian der Schutzpatron der Stadt Selm in Westfalen. Zudem gilt er als Patron der Töpfer und Zinngießer.

Seine Attribute sind das Papstkreuz, das Schwert und eine Taube.

In seiner Heimatstadt Rom ist der heilige Fabian der Namens- und Schutzpatron der Kirche Santi Fabiano e Venanzio. Darüber hinaus ist er Patron zahlreicher katholischer Kirchen. Exemplarisch sei hier die Pfarrgemeinden Ss. Fabian und Sebastian in Darup, in Osterwick und in die ehemalige Dorfkirche in Selm, alle im Münsterland/Westfalen, genannt.

Ein Teil der Reliquien, darunter auch der Schädel des heiligen Fabians, stehen auf dem Hauptaltar im Dom zu Fulda. Die Knochen des Heiligen kamen wahrscheinlich mit Rabanus Maurus nach Fulda.

Gedenktag

Siehe auch

Weblinks

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Bibliografische Angaben für „Fabianus

Sebastian (Heiliger)

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Sebastian (* in Mailand oder Narbonne; † um 288 in Rom), war ein römischer Soldat und wurde zu einem christlichen Märtyrer.

„Heiliger Sebastian“, Standflügel des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald, um 1510

„Heiliger Sebastian“, Standflügel des Isenheimer Altars von Matthias Grünewald, um 1510

Inhaltsverzeichnis

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Leben

Der Legende nach bekannte sich Sebastian, ein Offizier der kaiserlichen Garde, öffentlich zum Christentum, woraufhin Kaiser Diokletian ihn zum Tode verurteilte und von Bogenschützen erschießen ließ. In dem Glauben, er sei tot, ließ man ihn danach liegen. Sebastian war jedoch nicht tot und wurde von einer frommen Witwe mit dem Namen Lucina, die ihn beerdigen wollte, als lebend erkannt und wieder gesund gepflegt. Nach seiner Genesung kehrte er zu Diokletian zurück und bekannte sich erneut zum Christentum. Diokletian befahl daraufhin, ihn mit Keulen im Circus zu erschlagen. Seinen Leichnam warf man in die Cloaca Maxima, einen städtischen Abflussgraben in der Nähe des Tiber, aus dem er von Christen geborgen und ad catacumbas (deutsch: „in der Senke“) beerdigt wurde.

Als Variante existiert eine homosexuelle Version [1], nach der Sebastians Schönheit die Begehrlichkeit seines Vorgesetzten / des Kaisers erregte und er auf Grund seiner Weigerung, sich diesem hinzugeben, getötet wurde.

Schutzpatron

Der heilige Sebastian war schon immer ein beliebter Heiliger. Sebastian ist der Schutzheilige gegen die Pest, da man seiner Fürbitte das schnelle Erlöschen der Pest 680 in Rom zusprach. Sebastian ist Patron der Sterbenden, Eisenhändler, Töpfer, Gärtner, Gerber, Bürstenbinder, Stadt-/Gemeindepolizisten (D) und (I), Schützenbruderschaften, Soldaten, Kriegsinvaliden, Büchsenmacher, Eisen- und Zinngießer, Steinmetze, Leichenträger und Brunnen; gegen Pest und Seuchen.

Zusammen mit dem Hl. Fabian ist er der Schutzheilige der Stadt Selm in Westfalen.

Spätestens seit der Renaissance wird der Hl. Sebastian meist auffallend gering bekleidet und oft recht „sexy“ dargestellt (laszive Haltung, Hervorhebung männlicher Körpermerkmale). Daher haben viele Schwule eine besondere Affinität zu ihm und er wird von manchen auch als ihr Schutzpatron angesehen. Dies spiegelt sich besonders in Darstellungen des heiligen Sebastian ab dem 20. Jahrhundert.[2][1]

Ikonographie

Die Legende des hl. Sebastian wird in der bildenden Kunst bereits im 5. Jahrhundert dargestellt. Typisch ist eine Darstellung als Krieger in häufig zeitgenössischer Rüstung mit Schild und Schwert.

In deutschen und niederländischen Darstellungen wird meist der von Wunden übersäte, magere Körper hervorgehoben. Häufig wird auch die gesamte Beschießungsszene gezeigt wie etwa bei Hans Memling. In solchen Darstellungen ist Sebastian meist an einen Baum gebunden. Darstellungen wie die von Matthias Grünewald auf dem Isenheimer Altar weichen davon bewusst ab, um damit eine besondere Bildaussage zu unterstreichen.

Herausstechend ist Georges de la Tours Darstellung des heiligen Sebastian in den Armen der ihn pflegenden Irene, die starke Anklänge an eine Pietadarstellung aufweist.

Gedenktag

Wallfahrtsorte

Weblinks

Commons
Commons: Heiliger Sebastian – Bilder, Videos und Audiodateien

Einzelnachweise

  1. a b Oskar Ters: Die Legende des Heiligen Sebastian – Ein Vergleich zwischen den lateinischen Quellen und den mittelalterlichen Übersetzungen unter besonderer Berücksichtigung und Transkription der Handschrift 717 II der Bibliotheque Municipale zu Colmar, Diplomarbeit für Philosophie, Geisteswissenschaftlichen Fakultät der Universität Wien, GRIN Verlag 2000, ISBN 3-638-10059-6
  2. Ursula Baatz: „Jung, hübsch, gequält“, ORF, 31. Januar 2004

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Bibliografische Angaben für „Sebastian (Heiliger)

Sonntag, 20 Januar 2008 Verfasst von francisbacon | 2008-01-20 | , , , , , , , , | Noch keine Kommentare