Bauernregeln

Volkssprüche über das Wetter

Bauernregel Montag 18. Februar 2008

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Holder klingt der Vogelsang

Holder klingt der Vogelsang,
Wenn die Engelreine,
Die mein Jünglingsherz bezwang
Wandelt durch die Haine.
Röter blühen Tal und Au,
Grüner wird der Wasen,
Wo die Finger meiner Frau
Maienblumen lasen.
Ohne sie ist alles tot,
Welk sind Blüt’ und Kräuter;
Und kein Frühlingsabendrot
Dünkt mir schön und heiter.
Traute, minnigliche Frau,
Wollest nimmer fliehen;
Daß mein Herz, gleich dieser Au,
Mög’ in Wonne blühen!

Quellenangabe
Name Wert
author Projekt Gutenberg-DE
author Ludwig Heinrich Christoph Hölty
type poem
title Holder klingt der Vogelsang
sender RECmusic.org
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Ein Mord im Criminalgefängniß von Nürnberg

1830
In der Nähe des Hallerthürleins, wo das träge dahinschleichende Wasser des trüben Pegintzflusses die alte Stadt Nürnberg verläßt, erhebt sich kühn über dem Strome ein finster blickendes, im modernen Stil gehaltenes Gebäude. Auf beiden Seiten sieht man kleine, halbrunde, vergitterte Fenster, in der Mitte etliche ebenfalls mit Eisenstäben versehene Bogenfenster. Zieht man die schrilltönende Schelle am Eingang, so öffnet sich mittels eines verdeckten Drathzuges das eiserne Thor; man steigt mehrere Stufen hinauf zu einer starken Eisengitterthür, welche die Haustreppe von dem Vorplatze absperrt. Auf diesem angelangt, erblickt man zur Rechten einen tiefen dunkeln Gang und in demselben wol zwanzig mit starken Riegeln verschlossene Thüren. Der Gang ist von dem Vorplatze durch ein Eisengitter getrennt. An den Vorplatz stoßen mehrere Räume: eine Stube, eine helle, geräumige Küche, eine Kammer, die zur Zeit unserer Geschichte als Schlafgemach und nebenbei als Werkstatt benutzt wurde. Abseits von diesen Räumlichkeiten liegt versteckt in einem Winkel noch eine Kammer, die Schreinerei genannt, sie diente zur Niederlage für Werkzeuge aller Art.
Das Gebäude, welches wir beschrieben haben, ist das Criminalgefängniß des vormaligen Kreis- und Stadtgerichts Nürnberg, die Fronfeste genannt, sie enthält außer den Gefängniszellen die Wohnung für den Eisengerichtsdiener und seine Familie, und eine kleine Stube auf jenem Gange, in welcher der Eisenknecht haust, umgeben von Schließzeug, als: Schellen, Springer, Kreuzketten und andere für besonders gefährliche oder widerspenstige Gefangene notwendige Geräthe.
Im Jahre 1830 war Karl Vogelsang Eisengerichtsdiener. Außer ihm, seiner Frau und seinen drei Kindern wohnte noch eine alte Base mit im Gefängniß, die Magddienste bei ihm verrichtete, und drei Eisenknechte, die abwechselnd Tag und Nacht wachten. Vogelsang hatte sich zwar in den neun Jahren seiner Dienstzeit nichts Erhebliches zu Schulden kommen lassen, aber er galt für einen lebenslustigen, vergnügungssüchtigen Mann, und es war bekannt, daß er oft bis in die späte Nacht mit seiner Familie an öffentlichen Orten verweilte uud die Sorge für die Gefangenen und das Gefängniß den Eisenknechten überließ.
Am 19. Febr. 1830 ging Vogelsang abends um 7 Uhr mit Weib und Kind in das Gasthaus zur Stadt Würzburg, um einer musikalischen Abendunterhaltung beizuwohnen. Der Eisenknecht Kämmerer hielt Wache, er hatte sich in seinem Stübchen ein behagliches Feuer angebrannt und schrieb für einen Gefangenen einen Brief. Die Base Neubauer war damit beschäftigt, die Wohnstube und die Küche zu reinigen.
Um 9 Uhr abends hörten die Gefangenen in der Gefängnißzelle Nr. 17 klopfen, dann vernahmen sie die Stimmen mehrerer Personen, bald darauf entstand ein Gepolter, wie wenn ein paar Stühle umfielen, und es erklangen die Schritte von zwei Männern, welche den Gang vorkamen und auf die Vogelsang’sche Wohnstube zueilten.
Von nun an trat tiefe, ununterbrochene Stille ein, die unfreiwilligen Bewohner des Gefängnisses überließen sich dem Schlafe.
Gegen 12 Uhr kehrte Vogelsang mit den Seinigen heim. Wohlgemuth stieg der Eisengerichtsdiener, der sich sehr gut amusirt hatte, die Treppe hinauf zu seiner Stube. Plötzlich bemerkte er, daß das Eisengitter vor dem Vorplatze offen stand. Erschrocken eilte er in die Wohnstube, hier sah er bei dem Scheine eines tief abgebrannten Lichtes die wildeste Unordnung: die Schränke und Kommoden waren erbrochen, auf den Dielen lagen Kleider und Geräthe herum, in einer Ecke lag ein eiserner Hammer, an welchem frisches Blut und Menschenhaare klebten, und ein blutiges Rasirmesser. Vogelsang rief den Eisenknecht und seine Base Neubauer, aber niemand antwortete und bald zeigte es sich, daß beide das Opfer eines schweren Verbrechens geworden waren. In der Wachtstube lag Kämmerer mit eingeschlagenem Schädel und durchgeschnittener Kehle vor seinem Bett in einer Blutlache, in der Küche fand man die Leiche der Neubauer. Der Kopf war zerschmettert, am Halse klaffte eine breite, tiefe Wunde.
Vogelsang erstattete sofort Anzeige, es ward unter Beihülfe von zwei Polizei- und zwei Liniensoldaten augenblicklich eine Visitation sämmtlicher Gefängnißzellen vorgenommen und es ergab sich, daß alle bis auf eine fest verschlossen, daß alle Gefangenen bis auf zwei anwesend waren. Die Zelle Nr. 17 stand offen und zwei ihrer Bewohner, der Flaschnergeselle Cörper und der Buchhändlerlehrling Lober, fehlten. Der dritte Insasse, ein Buchhändlerlehrling Meier, gab auf Befragen an: er wisse nicht, wo Cörper und Lober wären, sie hätten geklopft und Wasser gefordert, Kämmerer habe aufgeschlossen, sie hinausgelassen und keiner sei wiedergekommen, er wisse nicht, was aus ihnen geworden.
Es war klar, daß Cörper und Lober den schrecklichen Mord verübt, daß sie sich auf diese Weise die Thür des Gefängnisses geöffnet und zuvor Kisten und Kasten erbrochen und was von dem Eigenthum Vogelsang’s ihnen brauchbar schien, mitgenommen hatten.
Schon am 20. Febr. wurden beide in einem Wirthshause in der Nähe von Heilsbronn ergriffen, in Fesseln gelegt und zu Wagen, unter dem Geleit einer 60 Mann starken Cavalerie- und Infanterieabtheilung, welche sie vor der Wuth der aufgeregten Volksmenge schützte, in das landgerichtliche Gefängnis von Nürnberg, den sogenannten Wasserthurm, eingeliefert.
Friedrich Cörper, 31 Jahre alt, ledigen Standes, wurde im Jahre 1799 in Nürnberg geboren, wo sein Vater Dachdecker war. Er erhielt eine gute Erziehung und den gewöhnlichen Schulunterricht. Nach der Confirmation kam er in die Lehre zu einem Flaschnermeister seiner Vaterstadt, dann ging er auf die Wanderschaft, wurde Soldat, führte sich aber nirgends zur Zufriedenheit seiner Meister und Vorgesetzten. Eine ihm zufallende Erbschaft von 1500 Fl. verschwendete er in kurzer Zeit, zur Arbeit hatte er wenig Lust und vor fremdem Eigenthum zeigte er geringen Respect.
Schon als junger Mensch wurde er wegen Betrugs mit drei Monaten Gefängniß, im Jahre 1824 wegen Diebstahls mit drei Jahren Arbeitshaus bestraft. Nach verbüßter Strafe arbeitete er in Mühlhausen in Preußen, hier stahl er ein Pferd sammt dem Reitzeuge und ergriff dann die Flucht; auf dem Wege nach Nürnberg entwendete er wieder ein mit Kleidern gefülltes Felleisen und wurde bald nach seiner Ankunft in Nürnberg auf Requisition des preußischen Gerichts verhaftet und in das Criminalgefängniß gebracht. Anfänglich erhielt er die Erlaubniß, für seine Rechnung seine Profession zu betreiben; er fertigte Kessel, Leuchter, Laternen und andere nützliche Gegenstände, welche die Frau des Eisengerichtsdieners Vogelsang verkaufte. Dafür bekam er und sein Kamerad Lober, der ihm bei der Arbeit half, Braten und Bier, und beide durften so manchen Abend statt im Kerker in der Wohnstube Vogelsangs zubringen und sich hier gütlich thun.
Im December wurde jene Erlaubniß, wir wissen nicht aus welchen Gründen, vom Director zurückgenommen. Das war ein Donnerschlag für Frau Vogelsang, die das schöne Geld nicht missen, für Cörper und Lober, die den Braten und das bairische Bier nicht entbehren wollten. Man kam überein, die Arbeit solle im geheimen fortgesetzt werden. Die abseits gelegene Kammer ward zur Werkstatt hergerichtet, Cörper und Lober hantierten darin mit Löthkolben, Amboß und Polirhammer, Frau Vogelsang verwerthete eine Laterne nach der andern und die Gefangenen verzehrten einen Schweinebraten nach dem andern.
Johann Georg Paul Lober, dessen wir schon öfter gedacht, ist 1809 in Nürnberg geboren. Er ging daselbst in die Schule, wurde confirmirt und kam dann zu dem Buchhändler und Antiquar Lechner in die Lehre. Hier veruntreute er beträchtliche Summen, wurde deshalb eingezogen und bewohnte vom August 1829 an eine Zelle mit Cörper. Beide wurden Freunde, Lober zeigte sich als Cörper’s gelehriger Schüler und lebte mit ihm zusammen im Gefängniß ein recht vergnügtes Leben.
Zu Anfang des Jahres 1830 traf die Schreckenskunde ein: Lober’s Urtheil sei angekommen, und es laute auf zwei Jahre Arbeitshaus. Fast gleichzeitig wurde dem Cörper eröffnet, seine Untersuchung sei spruchreif, er werde wol vier Jahre Arbeitshaus erhalten. Nun waren die schönen Tage vorüber, nun sollten sie sich von den Fleischtöpfen trennen, sich beugen unter die harte Zucht der Strafanstalt, und sich begnügen mit magerer Kost. Dieser Gedanke war unerträglich, für Cörper die Aussicht um so schrecklicher, als er den Aufenthalt im Arbeitshaufe bereits kannte. Er beschloß zu fliehen und theilte Lober seine Pläne mit; dieser war einverstanden und beide warteten nur auf eine Gelegenheit, ihr Vorhaben auszuführen. Am 19. Febr. abends, wo Vogelsang und die Seinigen weggegangen, waren, schien ihnen der rechte Augenblick gekommen zu sein. Cörper bahnte sich den Weg zur Freiheit über zwei Leichen, und Lober leistete ihm Beistand.
Hören wir zunächst sein, dann Lober’s Bekenntnis;. Cörper sagt: »Vogelsang und seine Familie waren ins Concert gegangen, ersterer hatte uns vorher eingeschlossen, mir aber ein Rasirmesser, mit welchem ich mir den Bart abnehmen wollte, gelassen. Lober flüsterte mir zu: »Heute ist niemand zu Hause, da wollen wir sehen, daß wir hinauskommen.« Ich war es zufrieden. Wir klopften so lange, bis der Eisenknecht Kämmerer aufschloß. Wir verlangten Wasser und baten ihn, er möchte uns den Abend in der Wachtstube verbringen lassen. Kämmerer gewährte mir die Bitte, gab uns Licht und sagte, wir sollten einstweilen hineingehen, er wollte erst noch einen Brief schreiben, dann käme er nach. Ich holte mir aus der Werkstatt den Polirhammer, und wir beide warteten nun auf Kämmerer. Nach einer kleinen Weile kam er und erzählte uns von einem österreichischen Soldaten, der eingeliefert worden sei, er saß auf einem Stuhle an seinem Bette und stützte den Kopf in die Hand. Da nahm ich auf einmal, wie es gekommen ist, kann ich selbst nicht sagen, den Hammer und schlug den Kämmerer auf den Kopf, daß er zu Boden fiel; dann ergriff ich das Messer und schnitt ihm den Hals durch. Wir gingen nun vor in die Küche, wo die Magd auf dem Boden kniete und fegte; wir haben es ihr beide ebenso gemacht, nämlich ich habe sie mit dem Hammer auf den Kopf geschlagen und sie auch mit dem Messer in den Hals geschnitten. Lober hat dabei das Licht gehalten. Hierauf haben wir die Schränke aufgemacht, Kleider von Vogelsang und seinem Sohne herausgenommen, uns angekleidet und sind zur Fronfeste hinaus. Die Kleider haben wir entwendet, weil wir auf diese Weise leichter zu entkommen dachten. Wir wollten über die Grenze nach Würtemberg und von da nach Baden fliehen.«
Etwas abweichend hiervon erzählt Lober den Vorgang so:
»Wir wußten, daß Vogelsang ausgegangen und daß nur der Eisenknecht Kämmerer und die Magd zu Hause waren. Cörper klopfte an und sagte zu Kämmerer, der uns aufschloß: «Wir wollen noch ein wenig zu Ihnen in die Wachtstube.« Kämmerer gab seine Zustimmung und befahl mir, einstweilen einzuheizen, er wolle noch eine Adresse schreiben. Während ich einheizte, ging Cörper in die Werkstatt, was er dort gemacht hat, weiß ich nicht. Er kehrte schnell zurück, Kämmerer kam auch und nun waren wir alle drei in der Wachtstube. Kämmerer setzte sich an den Ofen, ich stand am Ofen, Cörper stand am Fenster und hatte die Hände auf dem Rücken. Kämmerer theilte uns mit, daß ein Soldat in das Gefängniß gebracht worden, und dann, daß früher einmal ein Gefangener, Namens Schmidt, echappirt sei. Als er noch im Erzählen war, sprang Cörper auf ihn zu, schmetterte ihn durch einen furchtbaren Schlag mit dem Polirhammer zu Boden und versetzte ihm dann noch einige Schläge. Ich erschrak heftig und wollte mit dem Lichte hinaus. Cörper packte mich aber am Arme, holte ein Rasirmesser aus der Tasche und schnitt dem Eisenknecht die Kehle ab. Ich lief fort, Cörper holte mich jedoch ein und stürmte an mir vorüber in die Küche; hier erhielt die Magd zwei Hammerschläge von ihm, daß sie niederstürzte. Ich konnte es nicht mit ansehen und begab mich in das Wohnzimmer. Cörper kam mir nach und sagte mit dem Hammer drohend: »Wenn du jetzt nicht mitgehst, so ist dir ebenfalls der Hammer gewiß, denn ich spaße nicht gern.« Ich mußte natürlich Ja sagen, er erwiderte: »Dann ist’s gut.« Cörper erbrach mit einem Stemmeisen zwei Schränke, ein Pult und eine Kommode und nahm Geld, Kleider und was ihm sonst gefiel an sich, ich habe ihm das Licht gehalten und dann mit ihm die Flucht ergriffen.«
Die Widersprüche in den Aussagen der beiden Verbrecher sind nicht gelöst worden; eine Lösung ist aber auch kaum nöthig, denn es erhellt so viel, daß Cörper der Rädelsführer gewesen ist und den Mord verübt hat. Lober war nichts weiter als sein Gehülfe. Ohne Zweifel ist es eine Lüge, daß Lober nur aus Furcht vor den Todesdrohungen Cörper’s das Licht gehalten haben und völlig passiv gewesen sein will. Ungewiß ist es nur, ob er sich vorher mit Cörper zu dem Morde verabredet hat, ob der letztere nicht blos aus dem Entschlusse Cörper’s hervorgegangen ist.
Am 5. Juni 1830 verurtheilte das bairische Appellationsgericht des Rezatkreises den Flaschnergesellen Friedrich Cörper wegen des von ihm begangenen Doppelmordes zum Tode, den Buchhändlerlehrling Lober aber wegen seiner Hülfeleistung beim Morde zu Zuchthausstrafe auf unbestimmte Zeit.
Das Oberappellationsgericht in München bestätigte das Erkenntniß gegen Cörper, sprach aber Lober von der Theilnahme am Morde wegen mangelnden Beweises frei und erklärte ihn nur für schuldig der Unterschlagung von Geldern seines Lehrherrn und des ausgezeichneten Diebstahls bei Vogelsang. Er wurde deshalb mit achtjähriger Arbeitshausstrafe belegt und am 10. Oct. 1830 in das Arbeitshaus zn Schwabach abgeführt.
Am 18. Oct. 1830 eröffnete das Gericht dem Friedrich Cörper, daß ihm das Leben abgesprochen worden sei und daß der König sich nicht bewogen gefunden habe, in den Lauf des Rechts einzugreifen. Der Delinquent hörte das Todesurtheil mit großer Fassung an, unterschrieb das Protokoll mit sicherer Hand und erbat sich, was ihm nach bairischer Gesetzgebung freistand, noch eine Frist von drei Tagen. Am 21. Oct. bestieg er das Schaffot und nach wenigen Minuten stand seine Seele vor Gott.

Quellenangabe
Name Wert
type fiction
author W. Alexis
title Der Neue Pitaval
publisher F.-A. Brockhaus
series Neue Serie
volume Zweiter Band
editor Fortgesetzt von Dr. A. Bollert
year 1867
firstpub 1867
corrector hille@abc.de
sender www.gaga.net
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© Projekt Gutenberg

Ordensburg Vogelsang

aus Wikipedia, der freien Enzyklopädie

Übersicht der Burganlage von Wollseifen aus

Übersicht der Burganlage von Wollseifen aus

Die Ordensburg Vogelsang ist ein ehemals nationalsozialistischer Gebäudekomplex auf dem früheren Truppenübungsplatz Vogelsang im Nationalpark Eifel in Nordrhein-Westfalen. Die gewaltige Anlage diente den Nationalsozialisten zwischen 1936 und 1939 als Schulungsburg für die Ausbildung ihres Führungsnachwuchses. Heute ist das Areal öffentlich zugänglich und zählt zu den wenigen erhaltenen vollständigen Ensembles nationalsozialistischer Architektur. Es gilt nach den Parteitagsbauten in Nürnberg mit fast 100 ha bebauter Fläche als die größte bauliche Hinterlassenschaft des Nationalsozialismus in Deutschland. Der unter Denkmalschutz stehende Teil der Bauwerke umfasst eine Bruttogeschossfläche von mehr als 50.000 Quadratmetern.

Inhaltsverzeichnis

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Geschichte

Der 48 m hohe Turm (Wassertank) der Ordensburg

Der 48 m hohe Turm (Wassertank) der Ordensburg

Planung und Bau ab 1933

1933 forderte Adolf Hitler im Rahmen einer Rede in Bernau bei Berlin den Bau von neuen Schulen für den „Führernachwuchs“ der Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei (NSDAP). Mit dem Bau wurde der so genannte „Reichsorganisationsleiter“ Robert Ley betraut. Ley gab den Bau dreier „Schulungslager“ (NSDAP-Ordensburgen) in Auftrag:

Finanziert wurde der Bau, der größtenteils auf der Gemarkung der Gemeinde Schleiden vollzogen wurde, aus Geldern der enteigneten Gewerkschaften und Arbeitgeberverbände.

Den Planungsauftrag für Crössinsee und Vogelsang bekam der Kölner Architekt Clemens Klotz. „Burgkommandant“ war zwischen dem 22. September 1934 und dem 1. Juli 1937 Franz Binz, der sich zuvor als Kreisleiter der NSDAP für Schleiden für den Bau eingesetzt hatte.

Die Bezeichnung NS-Ordensburg für die drei Bauwerke wurde erst ab 1935 üblich. Die Burg Vogelsang wurde im ersten Bauabschnitt von bis zu 1.500 Arbeitern innerhalb von nur zwei Jahren errichtet.

Zusätzlich zu den auf Vogelsang errichteten Bauwerken waren noch weitaus größere Bauten geplant. Unter anderem sollte ein gigantisches „Haus des Wissens“ als Bibliothek entstehen, das die vorhandenen Gebäude schon alleine mit seiner Grundfläche von 100 m x 300 m buchstäblich in den Schatten gestellt hätte. Darüber hinaus war ein „Kraft durch Freude-Hotel“ mit 2.000 Betten geplant. Auf Vogelsang sollten zudem die größten Sportstätten Europas entstehen. Die teilweise bereits begonnenen Bauarbeiten wurden bei Kriegsbeginn eingestellt.

Geplant und teilweise ausgeführt wurden folgende Bauwerke:

  • Der Eingangsbereich mit Tor und zwei Türmen (größtenteils fertiggestellt),
  • Das Haus des Wissens (nur Sockelmauern fertiggestellt),
  • Das Gemeinschaftshaus mit Adlerhof, Turm, Ost- und Westflügel (fertiggestellt, teilweise kriegszerstört),
  • Die Burgschänke (fertiggestellt),
  • Zehn Kameradschaftshäuser für jeweils 50 Zöglinge (fertiggestellt, teilweise kriegszerstört),
  • Vier Hundertschaftshäuser für jeweils 100 Zöglinge (fertiggestellt),
  • Der Thingplatz als Veranstaltungsbühne (fertiggestellt),
  • Sportanlagen mit Tribüne, Turn- und Schwimmhalle (fertiggestellt),
  • Das Feuermal Fackelträger (fertiggestellt),
  • Das Haus der weiblichen Angestellten (fertiggestellt).
  • Dorf Vogelsang auf der anderen Talseite, als Unterkunft für die Bediensteten und deren Familien (Teilweise Rohbauten)

Künstlerische Gestaltung

Die meisten Plastiken in Vogelsang – Fackelträger, Der deutsche Mensch und das Sportlerrelief – stammen von Willy Meller. Während die Holzplastik Der deutsche Mensch 1945 verschwunden ist, sind die beiden anderen Plastiken – teilweise beschädigt – bis heute erhalten.

Nach einem Besuch Adolf Hitlers im Jahre 1937 wurde das Eingangstor mit Dorischen Säulen ohne irgendeine statische Funktion ergänzt. Berichten zufolge ging die Initiative dazu von Hitler selbst aus.

Schulungsburg der NSDAP ab 1936

Am 24. April 1936 wurden die drei Ordensburgen in einem Festakt an Adolf Hitler übergeben. Wenig später rückten die ersten 500 sogenannten Junker auf Vogelsang ein. Die Lehrgangsteilnehmer kamen aus ganz Deutschland. Sie waren auf Vorschlag der Gauleitungen von Robert Ley handverlesen ausgewählt worden. Die meisten waren Mitte zwanzig. Voraussetzung waren erste „Bewährung“ in der Parteiarbeit, völlige körperliche Gesundheit, Arbeits- und Militärdienst sowie ein Abstammungsnachweis. Weiterhin mussten die Bewerber auf Anordnung von Robert Ley verheiratet sein, dagegen interessierten ihre schulischen Leistungen überhaupt nicht. Den Bewerbern war bei ihrem Eintritt versprochen worden, dass sie nach Abschluss der Ausbildung jedes Regierungs- und Verwaltungsamt in Deutschland bekleiden könnten.

Der Stundenplan sah vor: 6:00 Uhr Frühsport, 7:00 Uhr Fahnenappell, 8:00 bis 10:00 Uhr Arbeitsgemeinschaften, 10:00 bis 12:00 Uhr Vortrag im großen Hörsaal durch Gast- oder Hauptlehrer, nachmittags Sport, 17:00 bis 18:30 Uhr Arbeitsgemeinschaften, 22 Uhr Zapfenstreich. In den Hauptvorlesungen zu den Themen „NS-Rassenkunde“ und „Geo-Politik“ wurden die „Junker“ mit aggressiven außenpolitischen und rassistischen Thesen indoktriniert. Daneben gab es intensive sportliche Schulung, der Schwerpunkt dieser Ausbildung lag bei der Ordensburg Vogelsang auf dem Reitsport.

Die Lehrgänge auf den „NS-Ordensburgen“ sahen auch eine Pilotenausbildung vor. Zu diesem Zweck wurden Flugplätze an allen drei Burgen gebaut. Der Vogelsanger Flugplatz entstand in der Nähe des Walberhofes, nahe der Ortschaft Schleiden-Morsbach. Neben der Pilotenausbildung sah der Lehrplan der Junker auch eine Reitausbildung vor.

Nach der Eröffnung des Schulbetriebs nutzte die politische Prominenz des Dritten Reichs Vogelsang auch als Repräsentationsort. Adolf Hitler sowie weitere führende Mitglieder des NS-Staates besuchten mehrfach die Ordensburg. Auf Wunsch der NS-Parteileitung in Berlin wurde die Ordenburg Vogelsang von insgesamt 16 Bunkern des Westwalles gesichert, deren Reste noch heute erkennbar sind und am 1. Dezember 2006 unter Denkmalschutz gestellt wurden.

Nutzung durch die Wehrmacht ab 1939

Grundriss eines Kameradschaftshauses

Grundriss eines Kameradschaftshauses

Beim Kriegsausbruch im September 1939 wurden die Junker entlassen, die Burg Vogelsang wurde der Wehrmacht übergeben. Diese nutzte die Bauwerke zweimal als Truppenquartier: Einmal beim Westfeldzug 1940, danach im Rahmen der Ardennenoffensive im Dezember 1944.

Zwischenzeitlich waren auf Vogelsang mehrere Klassen so genannter Adolf-Hitler-Schulen untergebracht.

1944 bestand dort ein Wehrertüchtigungslager, in dem 15 bis 16 Jahre alte Kinder aus der Hitler-Jugend militärisch ausgebildet wurden. Durch alliierte Luftangriffe wurden einige Gebäude zerstört, darunter der Ostflügel und die Turnhalle.

Zwecknutzung für Truppenübungsplatz seit 1946

Hinterlassenschaften des belgischen Militärs auf dem Truppenübungsplatz Vogelsang

Hinterlassenschaften des belgischen Militärs auf dem Truppenübungsplatz Vogelsang

Zur allgemeinen Geschichte der Anlage nach 1945 bis 2005 siehe Truppenübungsplatz Vogelsang.

Auf der Ordensburg Vogelsang selbst wurden von der belgischen Militärverwaltung behutsame Rekonstruktionen der kriegszerstörten Bausubstanz vorgenommen sowie die vorhandenen, aber zunächst nicht nutzbaren Rohbauten einer sinnvollen Nutzung zugeführt. So verwendete man die bereits fertiggestellten Sockelmauern des Hauses des Wissens als Außenmauer für die Kaserne „Van Dooren“ und das benachbarte Fundament eines Hörsaales für den Neubau eines Kinos. Beseitigt wurden nur die Hoheitsabzeichen des Dritten Reiches, im wesentlichen Hakenkreuze.

Zivile Nutzung ab 2006

Nach Aufgabe des Truppenübungsplatzes steht das Areal der ehemaligen Ordensburg mit den gewaltigen Bauwerken seit dem 1. Januar 2006 einer zivilen Nutzung offen und kann tagsüber besichtigt werden, ein Teil der umliegenden Flächen ist durch Wanderwege erschlossen. Ein temporäres Besucherzentrum ist bereits eingerichtet.

Es ist geplant, in der Burganlage die Verwaltung des Nationalparks Eifel einschließlich des zentralen Besucherzentrums sowie eine Ausstellung zur Geschichte der NS-Ordensburg unterzubringen. Des Weiteren gab/gibt es Überlegungen, eine UNESCO-Akademie in den Gebäuden anzusiedeln.

In den Gebäuden am Malakoff genannten Torbereich soll die Nationalparkforstverwaltung untergebracht werden.

Literatur

Die Burg Vogelsang von der Urfttalsperre aus gesehen.

Die Burg Vogelsang von der Urfttalsperre aus gesehen.

  • F. A. Heinen: Gottlos, schamlos, gewissenlos. Zum Osteinsatz der Ordensburg-Mannschaften. Gaasterland-Verlag, Düsseldorf 2007, 150 S., ISBN 978-3-935873-27-7 oder ISBN 3-935873-27-1
  • Ruth Schmitz-Ehmke: Die Ordensburg Vogelsang: Architektur – Bauplastik – Ausstattung. (Landschaftsverband Rheinland – Landeskonservator Rheinland. Arbeitsheft 41) Rheinland-Verlag, Köln. 2003. (2. veränd. und erw. Auflage)
  • Hans-Dieter Arntz: Ordensburg Vogelsang 1934 bis 1945 – Erziehung zur politischen Führung im Dritten Reich. Verlag Landpresse Weilerswist (5. und aktualisierte Auflage, Juli 2006) ISBN 3-935221-69-X
  • Franz Albert Heinen: Vogelsang – Von der NS-Ordensburg zum Truppenübungsplatz in der Eifel. Eine kritische Dokumentation. 4. Auflage. Helios-Verlag, Aachen 2006, 237 S., ISBN 3-933608-46-5
  • Franz Albert Heinen: Vogelsang. Im Herzen des Nationalparks Eifel. Ein Begleitheft durch die ehemalige „NS-Ordensburg“. Reihe Freizeitführer Rheinland. Gaasterland Verlag, Düsseldorf 2006, 47 S., ISBN 3-935873-11-5
  • Alexander Kuffner: Zeitreiseführer Eifel 1933-45. Helios, Aachen 2007, ISBN 978-3-938208-42-7.
  • Hans-Dieter Arntz: Ordensburg Vogelsang… im Wandel der Zeiten. Helios, Aachen 2007, 64 S., ISBN 978-3-938208-51-9

Weblinks und Literatur

Commons

Commons: Burg Vogelsang – Bilder, Videos und Audiodateien

Koordinaten: 50° 35′ 04″ N, 6° 26′ 53″ O

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Bibliografische Angaben für „Ordensburg Vogelsang

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Montag, 18 Februar 2008 - Verfasst von francisbacon | 2008-02-18 | , , , , , | Noch keine Kommentare

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