Bauernregeln

Volkssprüche über das Wetter

Bauernregel Donnerstag 21. Februar 2008

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Felix Dahn

Einer Freundin

Wir schenken Dir, Du tief geliebte Freundin,
Zum fünfzigsten Geburtstag diese Bilder:
Die Deinen von dem Ahn zur Enkelin
Die Aeltern und die Schwester und den Gatten,
Das Kind, den Eidam und der Tochter Kind:
Die Aussat und die Aerndte Deines Lebens.
S’ist wenig, – scheint’s – und doch unendlich viel.
Vier Menschenalter, noch vergnügt und glücklich,
Kein Mißklang, wie er schrillt durch andre Häuser,
Vom Glück gesättigt – beinah’ – jedes Leben,
Bis es im hohen Alter sanft vom Stamm fällt.
Und in Dir selbst im weißen Har die Vollkraft
Des Frauenthums an Leib und Seele freudig:
– Ach, jünger als so viele, welche niemals
Jung waren! – und im Herzen sprudelnd stark
Der Born, der Deines Wesens Wurzeln frisch hält,
Der Born mit dem melodischen Gesange,
Der Dir seit mehr als dreißig Jahren quillt:
Der Melusinen-Born der Poesie.

Und wenn Du diese Bilder musterst: – keines,
Das nicht ein Zeuge wäre Deiner Liebe
Und Zeuge auch der Dir geschenkten Liebe:
Denn reichlich, wie Du gabst, ward Dir gespendet,
Und ein Magnet der Liebe ward Dein Herz.

Wir Beiden aber, Felix und Therese,
Wir danken Dir doch mehr noch als sie Alle:
Denn Deine Freundschaft war in schwerster Zeit
– Nach unsrer eignen Kraft – der stärkste Stab.

Wir danken Dir: und wenn die Abendsonne
So hell, so schön, so leuchtend und so warm
Wie andern Frauen nicht, Dir scheint in’s Leben,
Wenn noch Dein kommend Alter Glanz verklärt,
Wie im geliebten Partenkirchen Dir
Die Sonne noch die letzten Strahlen schickt,
Denk’ unser freudig dann und flüst’re still:
»Das ist der Dank von Felix und Therese.«

Quellenangabe
Name Wert
type poem
booktitle Gedichte
author Felix (und Therese) Dahn
year 1892
publisher Breitkopf & Haertel
address Leipzig
title Gedichte
pages III-XII
created 20050922
sender gerd.bouillon
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© Projekt Gutenberg

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Karl Gutzkow

Abwehr einer Verleumdung

(1850)

In N°. 43 dieser Zeitung sagt ein Anonymus, dem die Redaktion sogar die Ehre erweist, seine bösen Verdächtigungen in den Großdruck des politischen Textes aufzunehmen, der Unterzeichnete könnte schon deshalb als »technischer Direktor« des K. Hoftheaters nicht berufen werden, weil – ihm etwa die nötigen dramaturgischen Kenntnisse mangelten? Nein. Oder weil von ihm bekannt wäre, daß er zwar kein republikanischer, aber doch sonst ein gar schlimmer und bedenklicher Autor wäre? Auch das nicht! Nun, warum denn sonst nicht? Er hat etwas viel, viel Ärgeres begangen. Er wäre im Jahre 1848 von Dresden ganz besonders zu den »Märzereignissen« herübergekommen. Zwar setzt der wohlwollende »Zuschauer« schüchtern hinzu: »Wie es scheint.« Verzwicktes »wie es scheint«! Warum nicht sogleich dreister? Warum nicht sogleich geradezu gesagt, ich hätte Barrikaden befehligt?

Im Mai 1849 hab’ ich in Dresden, wohin ich nicht erst zu reisen brauchte, wirklich eine Barrikade bauen sollen. Fünf Männer in Sensen hielten mir Steine entgegen und wollten mich zwingen, Hand anzulegen. Laßt mich! Ich bin kein Baumeister! mußt’ ich ihnen sagen. Es half nichts: »die Sense sollte michs schon lehren!« Erst als ich etwas unsanft sagte: Leute, ich habe für die deutsche Einheit mehr mit dem Wort getan, als ich hier mit Steinen tun kann! ließ mich die damals souveräne Insurrektion meines Weges ziehen. Freilich! Warum saß ich nicht, wird mein »Zuschauer« fragen, auch hier versteckt in irgendeinem Keller? Warum war ich an jenem Märzsonntage 1848 vor dem Schlosse in Berlin und sah mir dies Wogen und Wüten einer ungebundenen Menschenmasse an? Der schlimme »Zuschauer« sagt, Herr Polizeipräsident v. Minutoli müßte darüber auch noch erst Bericht erstatten. Niemand kann im geschichtlichen Interesse mehr wünschen als ich, daß der freundliche und um den milderen Verlauf jener Tage vielfach verdiente Herr v. Minutoli seine damaligen Erlebnisse erzählte. Aber ich wünschte doch, Felix Lichnowski lebte noch und bestätigte mir’s, daß er mich aufforderte: »Freund, Sie müssen reden! Sie müssen! Ich lasse Sie nicht!« »Worüber?« »Über was Sie wollen! Ich bin heiser, ich kann nicht mehr! Nur reden, nur beruhigen! – Nun denn, sagt’ ich, ich habe in jenem patriotischen, angeborenen, mark-brandenburgischen, vaterstädtischen Drange, von dem man damals noch nicht ahnte, daß man ihn später für revolutionären Fürwitz erklären könnte, das Wort des Königs: Kommt und ratet mir! so aufgefaßt, daß ich ihm einen Brief übergeben ließ, worin ich ihn bat, in die aufgelöste Ordnung irgendeinen, die Massen nur legal zusammenziehenden, die Gemüter zerstreuenden neuen Gedanken zu werfen, am liebsten den der Bürgerbewaffnung! »Sprechen Sie darüber! Sogleich! Hier! Heran! Ich lasse Sie nicht mehr fort!« Ich sprach, und die Massen, die zu allen Konzessionen, die sie kaum verstanden, noch etwas Neues, Handgreifliches, leicht Verständliches hinzuempfingen, zerstreuten sich. Es ist bekannt, daß der König denen gedankt hat, die an jenem Sonntagmorgen zum Schlosse hielten. Freilich, sehr exaltiert, sich ohne Portefeuille für einen Politiker zu halten! Sehr exaltiert, nicht wie jener Feigling im »reisenden Studenten« in den Mehlkasten zu springen und zu rufen: Brennt’s noch? Wer damals in den Mehlkasten sprang, der kam freilich für immer sehr weiß heraus.

Einige Tage gärte das, alle ergreifend, noch so fort. Und wenn mein »Zuschauer« sagt: Vor dem 18. März schon hätt’ ich »Tätigkeit entwickelt«, so will ich ihm sagen, was ich vor und nach dem 18. März für »Tätigkeit entwickelte.« Am 6. kam ich mit Weib und Kind nach Berlin, um meinen Urlaub dort zu verleben. Von da bis zum 18. schrieb ich im Hotel de Russie mein Schauspiel: Ottfried. Und vom 22. März bis 22. April, also während der vollen Blüte der Revolution, saß ich am Krankenbette eines Kindes, am Sterbebette einer Frau. O Du leidiger »Zuschauer«! Ich beantworte Deine böse Anklage so ausführlich nicht wegen des »technischen Direktors« (der nicht mir, nur jener Anstalt fehlt), sondern deshalb, weil diese in Berlin eingerissene Enthüllungssprache, dies mystische: Der war gestern in der und der Straße! Man hat ihn da und dort mit dem und dem verkehren sehen usw. eine wahre Schmach unserer Zeit ist und an die trübsten Tage römischer Delatorenwirtschaft erinnert.

Wenn man von mir sagt, daß ich bei dem mir mannigfach eingeräumten Berufe, für die deutsche Schaubühne theoretisch und praktisch zu wirken und an jedem Hoftheater die ästhetische Initiative ergreifen zu können, doch immer noch so »taktlos« bin, in politischen Dingen mehr links als rechts zu stehen, so kann ich mich dagegen nicht verteidigen und werd’ es nicht. Aber den Vorwurf, daß ich in meinem Leben je gewühlt, agitiert oder konspiriert hätte, weis’ ich mit Verachtung zurück.

Dresden, 23. Februar 1850.

Quellenangabe

Name Wert
type fiction
booktitle Berlin – Panorama einer Weltstadt
author Karl Gutzkow
year 1995
publisher Morgenbuch Verlag
address Berlin
isbn 3-371-00380-9
title Berlin – Panorama einer Weltstadt
pages 257-258
sender gerd.bouillon@t-online.de
pfad /gutzkow/berlin/book.xml

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Donnerstag, 21 Februar 2008 - Verfasst von francisbacon | 2008-02-21 | , , , | Noch keine Kommentare

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